Die Entscheidung zum Mord
Am Abend des 22. April erscheint SS-Sturmbannführer und Kriminalrat Kurt Stawizki mit einem Kommando von Gestapo-Angehörigen im Gefängnis. Stawizki, seit 1933 bei der Gestapo, ist in den Jahren 1942/43 am Massenmord an mehr als 160.000 Jüdinnen und Juden im deutsch besetzten Lemberg (Lwiw) beteiligt. Seit Herbst 1944 gehört er zur „Sonderkommission 20. Juli 1944” und ist hier als besonders brutaler Folterer bekannt. Am 15. April 1945 organisiert er im KZ Flossenbürg die Ermordung des Generals Friedrich von Rabenau, bevor er nach Berlin zurückkehrt. Als enger Vertrauter des Gestapo-Chefs Heinrich Müller führt er die Mordaktion im Zellengefängnis am 22. April 1945 aus. Er lässt die Gefangenen in zwei Gruppen aus den Zellen holen und ihnen ihre Effekten aushändigen.
Zur ersten Gruppe gehören gegen 23.00 Uhr die zum Tode verurteilten Rüdiger Schleicher, Klaus Bonhoeffer, Friedrich Justus Perels, Hans John, Carl Marks, Hans Sierks und Wilhelm zur Nieden. Als einziger „Nicht-Verurteilter“ gehört dieser Gruppe der frühere Diplomat Richard Kuenzer an. Gegen 23.30 Uhr wird eine zweite Gruppe aus Gestapo-Häftlingen zusammengestellt: Albrecht Haushofer, Max Jennewein, Carlos Wilhelm Moll, Ernst Munzinger, Hans Victor von Salviati, Sergej Sossimow, Wilhelm Staehle sowie Herbert Kosney.