Der Verbleib der Mörder

Der Chef der Gestapo, SS-Gruppen­führer und General­leutnant der Polizei Heinrich Müller, begeht am 1. Mai 1945 in der Nähe der Prinz-Albrecht-Straße Selbst­mord.

Der Berliner General­staats­anwalt Kurt-Walter Hanssen wird am 11. Mai 1945 von sowje­tischen Sol­daten fest­genommen. Wegen seiner Tätig­keit als General­staats­anwalt wird er am 17. Juli 1945 von einem sowje­ti­schen Militär­tribunal zum Tode verur­teilt. Hanssen stirbt noch vor der Urteils­voll­streckung am 3. Okto­ber 1945 im Spezial­gefäng­nis Nr. 7 des NKWD in Frank­furt an der Oder. 

SS-Sturmbannführer Kurt Stawizki und seine Frau er­hal­ten am 1. Mai 1945 in Flens­burg gefälschte Per­sonal­papiere, Bargeld und Zivil­kleidung. Es gelingt ihnen, ins Rheinland zu fliehen. In den folgen­den Jahren schlägt sich Kurt Stawizki mit Gele­genheits­arbeiten durch. Der ehe­malige Chef der Gestapo von Lemberg ist unter­getaucht. Seit 1953 arbei­tet er dann bei der Deutschen For­schungs­gemeinschaft, zuerst als Arbei­ter, später als Ange­stellter in der Regis­tratur. Die deutsche Justiz sucht ihn zu dieser Zeit wegen des Mordes an mindestens 160.000 Jüdinnen und Juden im deutsch be­setzten Lem­berg (Lwiw). Kurt Stawizki stirbt am 20. September 1959. Erst 1970, elf Jahre nach seinem Tod, gelingt es der deut­schen Justiz, seine wahre Iden­tität aufzu­decken. 

Ermittlungsverfahren der Berliner Jus­tiz wegen der Morde zwischen dem 22. und 24. April 1945 beginnen erst in den 1960er Jahren. Sie führen nicht zu einer Anklage­erhebung. Die Ursache dafür lässt sich nicht rekonstru­ieren, da die Akten von der Staats­anwalt­schaft nicht an das Landes­archiv Berlin abgege­ben worden sind und heute als verschollen gel­ten.