Die Lebensbedingungen
Die Aufnahme der Gefangenen in das Zellengefängnis erfolgt in zwei Räumen, die im Flügel A direkt am Eingang zum Zentralbau liegen. Die Gestapobeamten nehmen dort die Personalien auf. Die Häftlinge müssen Wertsachen, Geld, Personalpapiere, aber auch Krawatten und Schnürsenkel abgeben. Anschließend müssen die Häftlinge oft mehrere Stunden in einem Gang mit dem Gesicht zur Wand stehen, bis sie zu ihrer Zelle gebracht werden. Von den Wärtern werden die Gefangenen ab jetzt meistens mit ihrer Zellennummer angesprochen.
Die Ernährung im Zellengefängnis ist miserabel und unzureichend. Theodor Steltzer berichtet: „Die Gefängniskost war eintönig. Sie bestand in erster Linie aus strohigem Kohlrabi. ... Nur an den Sonntagen gab es eine Erbsensuppe und für den Abend einen halben Harzer Käse. Ich habe dann auch in neun Monaten Haft 65 Pfund abgenommen.”
Auch die übrigen Lebensbedingungen im Gefängnis sind menschenunwürdig. Die Häftlinge müssen nicht nur Wanzen, Dreck und Schikanen ertragen. Sie bemerken auch, wenn Mitgefangene zum Verhör geholt werden und zerschlagen zurück kommen. Sie erfahren, wenn Mithäftlinge zur Verhandlung vor dem „Volksgerichtshof” geholt werden, hören später von den Urteilen und bekommen auch mit, wenn die zum Tode Verurteilten in das Strafgefängnis Plötzensee überstellt werden.