Revolutionswirren

Am 8. Januar 1919 besetzen Freikorps­ein­heiten unter dem Befehl von Oberst Wilhelm Reinhard das Gefäng­nis. Nach der Erstürmung des „Vorwärts-Gebäudes“ am 11. Januar 1919 werden am se­lben Abend mehr als 300 Gefangene dorthin gebracht. Unter denen, die den mit Fackeln beleuch­teten Zug der Gefang­enen bis zum Zellen­gefängnis bewachen, ist auch der junge Leut­nant und spätere Wider­stands­kämpfer gegen den National­sozialismus Henning von Tresckow. 

Zwischen Januar und März 1919 sind bis zu 4.500 Menschen im Zellen­gefäng­nis inhaftiert; bis zu sieben Personen müssen sich eine Einzel­zelle teilen. Ende März werden 2.500 Gefan­gene dann in das Straf­gefäng­nis Plötzen­see verlegt. Zu den Gefangenen im Zellen­gefängnis gehören auch die promi­nenten Politiker Karl Radek und Georg Ledebour. Nach seiner Ent­lassung aus der Haft muss Radek einige Zeit unter Haus­arrest in einem der Beamten­wohn­häuser ver­bringen.

Am 15. Januar 1919 ent­führen und ermor­den Freikorps­ange­hörige die führenden deutschen Kommu­nisten Karl Liebknecht und Rosa Luxem­burg. Der am Mord an Rosa Luxemburg betei­ligte Ober­leut­nant Kurt Vogel wird nur „wegen erschwer­ten Wachtverbrechens im Felde ... und Beiseite­schaffen einer Leiche“ zu zwei Jahren und vier Monaten Gefäng­nis sowie Dienst­entlassung verur­teilt. Am Nach­mittag des 17. Mai begibt sich der spätere Ad­miral Wilhelm Canaris, als „Oberleut­nant Lindemann“ getarnt, in das Zellen­gefängnis. Er läßt sich dort Vogel mit einer ge­fälschten Beschei­nigung über­geben und bringt ihn ins Aus­land. Die Tat erregt erhebliches Auf­sehen.