Die Errichtung des Zellengefängnisses
Das Zellengefängnis in der Lehrter Straße ist eine Konsequenz der preußischen Gefängnisreform nach dem Amtsantritt von König Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1840. Der Architekt Carl Ferdinand Busse errichtet hier eine sternförmige Anlage nach dem Vorbild von Pentonville bei London. 1842 sind die Pläne fertig; der Bau beginnt 1844. 1846 werden in einem bereits fertiggestellten Teil erstmals politische Gefangene untergebracht. 1847 findet hier der Massenprozess gegen 156 polnische Freiheitskämpfer statt, von denen acht zum Tode verurteilt werden. Die Urteile werden nicht vollstreckt, alle Verurteilten während der Märzrevolution 1848 freigelassen.
Nach der Fertigstellung 1849 sind im Zellengefängnis Zuchthausgefangene untergebracht, seit 1856 in totaler Einzelhaft, die den Häftling vollständig isoliert und so „bessern” soll. In den vier A bis D benannten Flügeln gibt es insgesamt 520 Zellen, die jeweils weniger als zehn Quadratmeter groß sind. Zwölf Räume dienen als Reinigungszellen, 508 als Gefangenenzellen. Von diesen sind 24, die an den inneren Ecken der Gefängnisflügel liegen, so dunkel, dass in ihnen die Häftlinge nicht arbeiten können. In jedem der vier Flügel stehen damit ab 1850 126 Zellen zur Verfügung.