Untersuchungsgefangene
Im Zellengefängnis Lehrter Straße 3 sind Untersuchungsgefangene der Justiz untergebracht, die auf ihre Hauptverhandlungen vor dem Berliner Sondergericht, vor dem „Volksgerichtshof”, dem Kammergericht oder anderen Berliner Gerichten warten. Von 620 Häftlingen im August 1943 sind 570 Untersuchungsgefangene. Die Mehrzahl von ihnen wird von den Berliner Sondergerichten abgeurteilt. Darunter sind viele Todesurteile, so etwa gegen Raimund Follek wegen Kofferdiebstahls.
Zu den prominenten Gefangenen, die für den „Volksgerichtshof” inhaftiert sind, gehört der Pianist Karlrobert Kreiten. Er wird am 7. Juli 1943 im Zellengefängnis eingeliefert und ist bis zu seiner Verhandlung am 3. September 1943 dort inhaftiert. Das Todesurteil gegen Karlrobert Kreiten wird am 7. September 1943 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee vollstreckt.
Die Zahl der Häftlinge, die an den Haftbedingungen verzweifeln und Suizid begehen, ist unbekannt. Zu ihnen gehört im September 1935 Max Sass, Bruder der bekannten Berliner Tresoreinbrecher Franz und Erich Sass.