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Klaus Bonhoeffer

5. Januar 1901, Breslau (Wrocław)
23. April 1945, ULAP-Gelände, Berlin-Moabit

Klaus Bon­hoeffer, dritter Sohn des Psychia­ters Karl Bon­hoeffer und seiner Frau Paula, geb. von Hase, ist nach dem Studium des Völker­rechts als Rechts­an­walt tätig. 1936 wechselt er auf Empfeh­lung seines Schwagers Rüdiger Schleicher zur Deut­schen Luft­han­sa und wird 1937 deren Chef­syn­dikus. Seit 1930 ist er mit Emmi Delbrück ver­hei­ratet, mit der er eine Tochter und zwei Söhne hat. 

In enger Ver­bin­dung mit seinen Schwägern Hans von Dohnanyi, Justus Delbrück und Rüdiger Schleicher nutzt er früh seine Reise­mög­lich­keiten, um Kon­takte zu Wider­stands­kreisen im diplo­mati­schen und kirch­lichen Umfeld im In- und Aus­land zu knüpfen. 1943 ist er in die Planungen Stauffen­bergs sowie in die späteren Atten­tats­pläne der Ver­schwö­rer einge­weiht und lernt durch Ludwig Gehre auch Otto John kennen. 

Am 17. Juli 1944 spricht er mit Stauffen­bergs Adjutant Werner von Haeften in der Woh­nung von Hans John über die Neu­orga­nisa­tion der zivilen Luft­fahrt nach dem Um­sturz­ver­such. Am 20. Juli 1944 hält er engen Kon­takt zu Hans und Otto John. 

Klaus Bon­hoeffer wird am 1. Oktober 1944 fest­ge­nom­men, im Zellen­ge­fäng­nis Lehrter Straße inhaf­tiert und während der Ver­höre schwer miss­handelt. Am 2. Febru­ar 1945 verur­teilt der „Volks­ge­richts­hof” ihn gemein­sam mit Rüdiger Schleicher, Hans John und Fried­rich-Justus Perels zum Tode. 

Er wird in der Nacht zum 23. April 1945 auf einem Gelände beim Zellen­ge­fäng­nis Lehrter Straße von einem Son­der­kom­man­do aus dem Reichs­sicher­heits­haupt­amt ermor­det.

Klaus Bonhoeffer hatte sein Leben vor allen schon lange in ständiger Todes­gefahr verbracht, und liebte es doch mit aller Wärme, die Nächsten und seine Kinder, die Men­schen seiner Wahl, die mit ihm die gleiche Ver­ant­wortung fühlten, die Blumen und den Wald, seine Bücher und die Künste. Er hatte viel in der Welt gesehen und erlebt und konnte wie wenige das Wesent­liche am Menschen, den Witz einer Situation erfassen und bezeich­nen.

Eberhard Bethge in seiner Predigt anlässlich der Trauerfeier am 11. Juni 1945 auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof

Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Am 18. April [1945] sah ich meinen Mann zum letzten Mal. Im Gefäng­nis waren erste Symp­tome eines gewissen Auf­lösungs­zustan­des. Auffallend viele Häft­linge liefen in den Gängen spazieren, wie im Foyer eines gespens­tischen Theaters ... . Andere Ehe­frauen kamen, man sah Hand­kuss und zuver­sicht­liches Winken. Die Sprech­zelle war besetzt, ich konnte – was bisher undenk­bar gewesen wäre – Klaus unge­niert und unbe­wacht auf dem Gang beliebig lange sprechen. Zwischen uns stand die Messing­schale mit blühenden Veil­chen und Schnee­glöck­chen, die ich mitge­bracht hatte, auf der Brüstung des Geländers.

Emmi Bonhoeffer über ihren letzten Besuch im Zellengefängnis am 18. April 1945

Quelle: Jutta Koslowski (Hrsg.), Nach dem 20. Juli 1944. Ein Erlebnisbericht von Emmi Bonhoeffer (1945), 2021, S. 35.

Portrait: Klaus BonhoefferKlaus Bonhoeffer, um 1930