Klaus Bonhoeffer
23. April 1945, ULAP-Gelände, Berlin-Moabit
Klaus Bonhoeffer, dritter Sohn des Psychiaters Karl Bonhoeffer und seiner Frau Paula, geb. von Hase, ist nach dem Studium des Völkerrechts als Rechtsanwalt tätig. 1936 wechselt er auf Empfehlung seines Schwagers Rüdiger Schleicher zur Deutschen Lufthansa und wird 1937 deren Chefsyndikus. Seit 1930 ist er mit Emmi Delbrück verheiratet, mit der er eine Tochter und zwei Söhne hat.
In enger Verbindung mit seinen Schwägern Hans von Dohnanyi, Justus Delbrück und Rüdiger Schleicher nutzt er früh seine Reisemöglichkeiten, um Kontakte zu Widerstandskreisen im diplomatischen und kirchlichen Umfeld im In- und Ausland zu knüpfen. 1943 ist er in die Planungen Stauffenbergs sowie in die späteren Attentatspläne der Verschwörer eingeweiht und lernt durch Ludwig Gehre auch Otto John kennen.
Am 17. Juli 1944 spricht er mit Stauffenbergs Adjutant Werner von Haeften in der Wohnung von Hans John über die Neuorganisation der zivilen Luftfahrt nach dem Umsturzversuch. Am 20. Juli 1944 hält er engen Kontakt zu Hans und Otto John.
Klaus Bonhoeffer wird am 1. Oktober 1944 festgenommen, im Zellengefängnis Lehrter Straße inhaftiert und während der Verhöre schwer misshandelt. Am 2. Februar 1945 verurteilt der „Volksgerichtshof” ihn gemeinsam mit Rüdiger Schleicher, Hans John und Friedrich-Justus Perels zum Tode.
Er wird in der Nacht zum 23. April 1945 auf einem Gelände beim Zellengefängnis Lehrter Straße von einem Sonderkommando aus dem Reichssicherheitshauptamt ermordet.
Klaus Bonhoeffer hatte sein Leben vor allen schon lange in ständiger Todesgefahr verbracht, und liebte es doch mit aller Wärme, die Nächsten und seine Kinder, die Menschen seiner Wahl, die mit ihm die gleiche Verantwortung fühlten, die Blumen und den Wald, seine Bücher und die Künste. Er hatte viel in der Welt gesehen und erlebt und konnte wie wenige das Wesentliche am Menschen, den Witz einer Situation erfassen und bezeichnen.
Eberhard Bethge in seiner Predigt anlässlich der Trauerfeier am 11. Juni 1945 auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof
Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Am 18. April [1945] sah ich meinen Mann zum letzten Mal. Im Gefängnis waren erste Symptome eines gewissen Auflösungszustandes. Auffallend viele Häftlinge liefen in den Gängen spazieren, wie im Foyer eines gespenstischen Theaters ... . Andere Ehefrauen kamen, man sah Handkuss und zuversichtliches Winken. Die Sprechzelle war besetzt, ich konnte – was bisher undenkbar gewesen wäre – Klaus ungeniert und unbewacht auf dem Gang beliebig lange sprechen. Zwischen uns stand die Messingschale mit blühenden Veilchen und Schneeglöckchen, die ich mitgebracht hatte, auf der Brüstung des Geländers.
Emmi Bonhoeffer über ihren letzten Besuch im Zellengefängnis am 18. April 1945
Quelle: Jutta Koslowski (Hrsg.), Nach dem 20. Juli 1944. Ein Erlebnisbericht von Emmi Bonhoeffer (1945), 2021, S. 35.





















