Herbert Kosney
18. Mai 2012, Berlin (Ost)
Der Schlosser Herbert Kosney wird bereits 1935 bei der Verteilung kommunistischer Flugblätter festgenommen und sieben Monate im Konzentrationslager Columbia-Haus inhaftiert. Im Dezember 1939 zur Wehrmacht einberufen, wird Kosney am 24. August 1944 festgenommen und in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 gebracht. Bereits in den Tagen zuvor sind einige der Fluchthelfer von Reichskriminaldirektor Arthur Nebe, zu denen Kosney Kontakt hat, inhaftiert worden. Herbert Kosney wird jedoch nach vier Wochen wieder freigelassen.
Er kehrt zu seinem Truppenteil nach Güterfelde zurück und wird im November 1944 nach Frankfurt/Oder abkommandiert, wo er am 15. Januar 1945 erneut festgenommen und am 21. Februar 1945 in das Zellengefängnis eingeliefert wird. Inzwischen sind seine Verbindungen zur kommunistischen Widerstandsgruppe bei der AEG in der Drontheimer Straße bekannt geworden. Mehrere Angehörige dieser Gruppe werden nach Todesurteilen des Kammergerichts noch im April 1945 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.
Die für den 21. April 1945 angesetzte Hauptverhandlung gegen Herbert Kosney kann wegen der militärischen Entwicklung nicht mehr stattfinden. Offenbar deshalb ordnet Gestapochef Heinrich Müller einen Tag später die Erschießung von Herbert Kosney, Sergej Sossimow und Max Jennewein an, die der Widerstandsgruppe bei der AEG angehört haben. Herbert Kosney überlebt die Mordaktion als einziger schwer verletzt und spielt als Augenzeuge bei der Rekonstruktion eine zentrale Rolle.
Durch bleibende Schäden lebenslang beeinträchtigt, lebt Herbert Kosney nach Kriegsende in Berlin-Pankow.
Herbert Kosney war in unserem Prozess nicht mitaufgeführt. Sein Verfahren schwebte genau noch wie mein Verfahren. Seine Verhaftung in der Juli-Geschichte [Umsturzversuch vom 20. Juli 1944] erfolgte durch den Umstand, dass er als Chaffeur einen Hauptmann fuhr. Die Schußwaffen, die er Heerlein besorgte, wurden sichergestellt. ... Dass er den Auftrag hatte, Waffen zu besorgen, erzählte[n] mir Weller und Heerlein. Ich habe den Eindruck, dass er bei den Vernehmungen eisern und furchtlos war.
Heinrich Leistikow aus der Widerstandsgruppe der AEG Drontheimer Straße über Herbert Kosney
Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 6218


