Albrecht Haushofer
23. April 1945, ULAP-Gelände, Berlin-Moabit
Als Sohn des einflussreichen Geopolitikers Karl Haushofer versucht der Geograph Albrecht Haushofer nach der nationalsozialistischen Machtübernahme die außenpolitischen Vorstellungen von Hitlers engem Vertrauten Rudolf Heß zu beeinflussen. Von 1928 bis 1940 ist Albrecht Haushofer Generalsekretär der Gesellschaft für Erdkunde, seit 1940 Professor für politische Geographie und Geopolitik. Er lehrt in Berlin an der Hochschule für Politik und später an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität. Nachdem Rudolf Heß eigenmächtig nach England fliegt und dort inhaftiert wird, wird Haushofer im Mai 1941 zunächst festgenommen und nach seiner Haftentlassung weiter überwacht. Dennoch kann er Verbindung zu konservativen Widerstandskreisen aufnehmen und sich an den Planungen für eine Reichs- und Verwaltungsreform beteiligen.
Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 verbirgt sich Albrecht Haushofer in Bayern. Sein Vater Karl Haushofer wird am 28. Juli festgenommen und in das KZ Dachau gebracht, sein Bruder Heinz am 25. August. Seit dem 7. September 1944 ist Heinz Haushofer im Zellengefängnis Lehrter Straße 3 inhaftiert.
Albrecht Haushofer versteckt sich noch drei Monate in der Nähe von Partenkirchen, bevor die Gestapo ihn am 7. Dezember festnimmt, seit 13. Dezember 1944 ist er im Zellengefängnis inhaftiert. Während der Haft dichtet Haushofer zahlreiche Sonette, die nach seiner Ermordung am 23. April 1945 auf dem ULAP-Gelände gefunden werden. Sie gehören zu den eindrucksvollsten Zeugnissen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.







