Rüdiger Schleicher
23. April 1945, ULAP-Gelände, Berlin-Moabit
Der Jurist Rüdiger Schleicher promoviert 1923 mit einer Arbeit über das internationale Luftfahrtrecht und ist seit 1927 als Beamter im Reichsverkehrsministerium tätig. Seit 1939 leitet er das Institut für Luftrecht der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Er ist verheiratet mit Ursula Bonhoeffer, mit der er drei Töchter und einen Sohn hat.
Rüdiger Schleicher hält enge Verbindungen zum Kreis der Gegner des NS-Regimes im Amt Ausland/Abwehr um Hans von Dohnanyi und Dietrich Bonhoeffer. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch wird er am 4. Oktober 1944 festgenommen und teilweise in Einzelhaft und unter verschärften Haftbedingungen im Zellengefängnis Lehrter Straße inhaftiert.
Am 2. Februar 1945 wird Rüdiger Schleicher vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt und bleibt nach dem Urteil im Zellengefängnis Lehrter Straße inhaftiert. In der Nacht zum 23. April 1945 wird er mit anderen Gefangenen von einem Sonderkommando des Reichssicherheitshauptamtes auf ein benachbartes Ruinengelände gebracht und dort erschossen.
Nun sahen wir uns auch öfter wieder beim Rundgang auf dem Hof. Vater [Rüdiger Schleicher, Eberhard Bethges Schwiegervater] war erstaunlich gesund. Die gesamte Gefängnisgemeinschaft hatte 'die Neun', die während dieser letzten Wochen von den Todeskandidaten noch bei uns waren, in ihre besondere Fürsorge genommen. Allgemein war man beeindruckt, wie ungebrochen und aufrecht er daherkam.
Aus dem Erinnerungsbericht Eberhard Bethges zur gemeinsamen Haft in der Lehrter Straße
Quelle: Eberhard Bethge, In Zitz gab es keine Juden. Erinnerungen aus meinen vierzig Jahren, München 1989, S. 170.























