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Paul Graf Yorck von Wartenburg

26. Januar 1902, Gut Klein-Öls (Pałac w Oleśnicy Małej)
9. Juni 2002, Neureichenau

Paul Graf Yorck von Wartenburg besucht wie sein zwei Jahre jüngerer Bruder Peter die evangelische Kloster­schule Roßleben in Thüringen. Er absolviert eine land­wirtschaftliche Aus­bildung und über­nimmt als ältester Sohn die Verwaltung des Familien­guts Klein-Öls. 1940 heiratet er die Schau­spielerin Else Eckersberg. 

Seit 1932 Mit­glied der NSDAP wendet er sich nach den Mord­aktionen des 30. Juni 1934 vom National­sozia­lismus ab. Er en­gagiert sich in der Bekennenden Kirche und gehört dem Bruderrat in Schlesien an. Eine enge Freund­schaft verbindet ihn mit Friedrich Justus Perels, dem Justiziar der Bekennenden Kirche. Mehr­fach ver­steckt Yorck auf Klein-Öls von den National­sozialisten ver­folgte Menschen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wird er zur Wehrmacht ein­gezogen und 1943 in Italien schwer ver­wundet. 

Nach­dem sein Bruder Peter am späten Abend des 20. Juli 1944 im Berliner Bendler­block fest­ge­nommen worden ist, wird Paul Graf Yorck von Wartenburg am nächsten Tag in Marien­bad fest­ge­nommen und zunächst der Teil­nahme an den Umsturz­planungen ver­dächtigt, die ihm jedoch nicht nachge­wiesen werden kann. Er bleibt dennoch in Haft. In den darauf­folgenden Wochen werden auch seine Ehe­frau, seine Schwestern Irene und Dorothea, seine Mutter sowie seine Schwägerin Marion in „Sippen­haft” genommen. 

Nach zwei­monatiger Gestapo­haft in Breslau wird Yorck am 23. September 1944 in das Zellen­gefängnis Lehrter Straße 3 in Berlin über­stellt. Am 27. Januar 1945 wird er in das KZ Sachsenhausen verlegt, wo er am 22. April von Einheiten der Roten Armee befreit wird. 

Nach Kriegs­ende gehört er zu den Mit­be­gründern der CDU und ist zwischen 1954 und 1964 Konsul in Lyon.

Dank der materiellen Hilfe, die ich von meinem Zellen­nach­barn bekam, änderte sich mein Leben von einem Tag auf den anderen vollkommen. Durch Tricks und durch Bestechung der Wächter war es ihm gelungen, Kontakt mit mir aufzunehmen. Er besorgte mir Wäsche und Kleidung und fast täglich konnte er mir etwas zusätzliche Nahrung zukommen lassen. Er tat das aus völliger Uneigen­nützigkeit, da er anfangs nicht einmal wusste, wer ich war, nur weil ich Franzose war und weil er es als eine christliche Pflicht ansah, seinem Nächsten zu helfen. Später gelang es uns, direkt zueinander in Kommunikation zu treten und ich hatte ziemlich oft Gelegen­heit zu Gesprächen mit ihm. Dabei erfuhr ich auch seinen Namen: Graf York von Wartenburg. 

Bericht von Paul Bernard über seine Begegnung mit Paul Graf Yorck von Wartenburg im Zellengefängnis

Quelle: Robert Hervet, Une valeur humaine. Paul Bernard 1892/1960, Paris 1962.

Portrait: Paul Graf Yorck von WartenburgPaul Graf Yorck von Wartenburg