Joachim Wrede
13. Juni 1990
Joachim Wrede studiert nach dem Abitur Jura und Nationalökonomie und promoviert 1937 in Bonn mit einer Arbeit über das Problem der Neutralität im Völkerrecht der Nachkriegszeit. Aufgrund seiner Ablehnung der nationalsozialistischen Rechtsauffassung bricht er seine juristische Ausbildung ab und tritt 1936 als Volontär in die Schering AG ein. 1938 wird er in die Kartellabteilung des Unternehmens übernommen und wechselt ein Jahr später als Direktionsassistent zu den Tropon-Werken Dinklage. 1940 wird Wrede zur Wehrmacht eingezogen, ist als Heeresdolmetscher tätig und wird 1941 in das Amt/Ausland Abwehr beim Oberkommando der Wehrmacht einberufen. 1942 wird ihm die Leitung einer Abwehrdienststelle in Paris übertragen.
Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wird er am 4. August 1944 in Paris festgenommen, nach Berlin gebracht und in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert.
Nach seiner Entlassung aus der Haft am 23. April wird Wrede in Berlin vom sowjetischen Geheimdienst wegen seiner Tätigkeit im Amt Ausland/Abwehr festgenommen und im September 1945 in Moskau zu fünf Jahren Straflager verurteilt. 1950 wird er nach Sibirien verbannt und kehrt im Januar 1955 in die Bundesrepublik zurück.
Er ist in der Folgezeit zunächst im Auswärtigen Amt, später als Fachmann für Osteuropa beim Vorstand der Krupp AG und schließlich als Osthandels-Experte und Geschäftsführer bei der Otto Wolff Chemieanlagen GmbH in Köln tätig.


