Gerhard Wolf
1. August 1969, Berlin (West)
Der Jurist Gerhard Wolf ist in der Sächsischen Innenverwaltung und ab 1933 als Regierungsrat in der Verkehrsabteilung des Polizeipräsidiums Leipzig tätig. Seit 1932 ist er Mitglied der NSDAP, distanziert sich jedoch nach den Mordaktionen des 30. Juni 1934 zunehmend vom Nationalsozialismus und steht ab 1936 in engem Kontakt mit Carl Goerdeler. 1941 wird er an das Berliner Polizeipräsidium versetzt und liefert Goerdeler als Verkehrsdezernent Informationen über Polizei und SS.
Als am 17. Juli 1944 Haftbefehl gegen Goerdeler erlassen wird, hilft Wolf ihm, Berlin zu verlassen. Er wird deswegen am 8. August 1944 in Berlin festgenommen, in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert und wiederholt verhört. Seine Familie in Sachsen ist der Verfolgung durch lokale NS-Funktionäre ausgesetzt, die das Grundstück der Familie beschlagnahmen. Zu einem Prozess gegen Wolf kommt es aufgrund der Kriegsentwicklung nicht mehr.
Gerhard Wolf wird am 22. April 1945 aus der Haft entlassen und Mitte Mai auf dem Weg zu seiner Familie nach Leipzig vom sowjetischen Geheimdienst NKWD verhaftet. Bis zu seiner Freilassung 1950 ist er in verschiedenen sowjetischen Lagern interniert, unter anderem im Speziallager Nr. 5 in Ketschendorf bei Fürstenwalde und im Speziallager Nr. 2 in Buchenwald.
Gerhard Wolf wird 1957 als Richter an das Bundesverwaltungsgericht berufen.














