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Willi Wiegand

25. Oktober 1909, Jena
18. Dezember 1982, Berlin (West)

Willi Wiegand absolviert zunächst eine Lehre als Fein­mecha­niker. Im März 1931 eröffnet er gemein­sam mit der Schnei­derin Klara Ortmann, die er im Juni 1931 heiratet, eine Schneider­werk­statt in Berlin-Charlottenburg. Am 1. April 1940 wird Willi Wiegand zur Wehr­macht einberufen, nach einem schweren Dienst­unfall, bei dem er das linke Auge verliert, jedoch im April 1943 ent­lassen. 

Ab Mai 1943 ist er in der Rüstungs­industrie dienst­verpflichtet. Zum Kunden­kreis der Schneider­werkstatt des Ehe­paares Wiegand gehört auch der jüdische Unter­nehmer Julius Kronheim, der sich nach dem Tod seiner nicht­jüdischen Ehe­frau im Juni 1944 ent­schließt unterzu­tauchen. Das Ehepaar Wiegand erklärt sich bereit, Julius Kronheim in ihrer Woh­nung in Berlin-Charlottenburg aufzu­nehmen. Im Sommer 1944 beher­bergen sie zudem den flüch­tigen Haupt­mann Ludwig Gehre, der zum Wider­stands­kreis im Amt Ausland/Abwehr gehört, sowie dessen Ehefrau Hanna. 

Nach der Fest­nahme Gehres im Novem­ber 1944 werden am 5. Dezember auch Klara und Willi Wiegand sowie der in ihrer Wohnung leben­de Julius Kronheim fest­genom­men. Willi Wiegand wird im Zellen­gefäng­nis Lehrter Stra­ße 3 inhaftiert. Ein für Januar 1945 ange­setzter Prozess vor dem „Volks­gerichtshof” gegen ihn findet aufgrund der Kriegs­entwicklung nicht mehr statt. Willi Wiegand wird am 23. April 1945 offiziell zur Justiz über­stellt und kommt zwei Tage später aus dem Gefäng­nis Lehrter Straße frei. 

Nach seiner Haft­entlassung betreibt er gemein­sam mit seiner Ehefrau eine Kleiderpflege- und Bügel­werkstatt in Berlin.

Dazu darf ich bemerken, dass ich in den ersten 6 Wochen der Einzelhaft Tag und Nacht mit Handschellen gefesselt war, die lediglich zum An- und Auskleiden, zum Essen, und zur Verrichtung der Notdurft abge­nommen wurden ... Eine weitere Belastung war der Umstand, das selbst bei schweren Tagesluftangriffen die Fesselung nicht gelöst und die Zelle verschlossen blieb ...

Bericht von Willi Wiegand über seine Haft, 23. Februar 1960

Quelle: Landesentschädigungsamt Berlin, Reg. 20526

Portrait: Willi WiegandWilli Wiegand