Carl Wentzel-Teutschenthal
20. Dezember 1944, Berlin-Plötzensee
Carl Wentzel-Teutschenthal übernimmt 1907 den Großgrundbesitz seines Vaters, den er nach seiner Heirat mit Ella von Zimmermann rund um Gut Teutschenthal (Provinz Sachsen) zu einem agroindustriellen Großunternehmen ausbaut. Er gehört dem Gesprächskreis „Industrie und Landwirtschaft” um den Generaldirektor der Gute-Hoffnungs-Hütte Paul Reusch an, mit dem auch Carl Goerdeler verbunden ist.
Der nationalkonservative Wentzel-Teutschenthal ist von Beginn ein konsequenter Gegner des Nationalsozialismus und pflegt Kontakt zu diversen Widerstandskreisen. Auf seinem Gut finden mehrere Treffen des Reusch-Kreises statt, im November 1943 hält Carl Goerdeler einen Vortrag über die Dringlichkeit eines Regierungswechsels. Durch seine vertrauensvolle Beziehung zu Goerdeler hat er von den Umsturzplanungen Kenntnis.
Carl Wentzel-Teutschenthal wird am 31. Juli 1944 festgenommen und in der Prinz-Albrecht-Straße, im Zellengefängnis Lehrter Straße und im Gefängnis Tegel inhaftiert. Seine Frau Ella wird am 11. August in „Sippenhaft” genommen und bis Ende März 1945 im KZ Ravensbrück festgehalten. Sie stirbt 1949 verarmt in Halle.
Am 13. November 1944 wird Carl Wentzel-Teutschenthal vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt. Äußerer Anlass sind regimekritische Äußerungen während des Treffens im November 1943, im Hintergrund steht jedoch die Auseinandersetzung mit einem Himmler besonders nahestehenden höheren SS- und Polizeiführer, der Wentzel aus persönlichem Interesse schon zu einem früheren Zeitpunkt denunziert hat. Carl Wentzel-Teutschenthal wird am 20. Dezember 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Aufrecht, getrost und unschuldig gehe ich in den Tod.
Carl Wentzel-Teutschenthal in einem kurzen Abschiedsbrief an seinen Sohn Carl Friedrich, 20. Dezember 1944
Quelle: Institut für Zeitgeschichte München, ED 378-53
Carl Wentzel wurde nun von einem Gefängnis in das andere verschleppt; bald war er in Tegel, dann wieder in der Prinz Albrechtstraße, in der Lehrterstraße, Bellevuestraße, Tegel usw., wie es gerade den Gestapobehörden paßte, stets unter den unmenschlichsten Bedingungen. ... Die Gestapo wandte alle Mittel an, ihm Geständnisse zu erpressen ..., es sind sogar körperliche Folterungen bei ihm durchgeführt worden; Niemand hat bei ihm erreicht, daß er etwas sagte, was er nicht verantworten konnte. ... Schließlich haben sie es [das Gebäude einer Anschuldigung] konstruiert ...
Hanns Martin Elster in einem Lebensbild über Carl Wentzel-Teutschenthal, nach 1945
Quelle: Archiv der Stiftung Hilfswerk 20. Juli 1944













