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Carl Wentzel-Teutschenthal

9. Dezember 1876, Brachwitz bei Halle
20. Dezember 1944, Berlin-Plötzensee

Carl Wentzel-Teut­schen­thal über­nimmt 1907 den Groß­grund­besitz seines Vaters, den er nach seiner Heirat mit Ella von Zimmer­mann rund um Gut Teut­schen­thal (Provinz Sachsen) zu einem agro­indus­triellen Groß­unter­nehmen ausbaut. Er gehört dem Gesprächs­kreis „Industrie und Land­wirt­schaft” um den General­direk­tor der Gute-Hoff­nungs-Hütte Paul Reusch an, mit dem auch Carl Goerdeler verbun­den ist.

Der national­konser­vative Wentzel-Teut­schen­thal ist von Beginn ein konse­quenter Gegner des National­sozialis­mus und pflegt Kontakt zu diversen Wider­stands­kreisen. Auf seinem Gut finden mehrere Treffen des Reusch-Kreises statt, im Novem­ber 1943 hält Carl Goer­deler einen Vor­trag über die Dring­lichkeit eines Regie­rungs­wech­sels. Durch seine vertrauensvolle Beziehung zu Goerdeler hat er von den Umsturz­planungen Kenntnis.

Carl Wentzel-Teut­schen­thal wird am 31. Juli 1944 fest­ge­nommen und in der Prinz-Albrecht-Straße, im Zellen­gefäng­nis Lehrter Straße und im Gefäng­nis Tegel inhaf­tiert. Seine Frau Ella wird am 11. August in „Sippen­haft” genommen und bis Ende März 1945 im KZ Ravens­brück festge­halten. Sie stirbt 1949 verarmt in Halle.  

Am 13. November 1944 wird Carl Wentzel-Teutschen­thal vom „Volks­gerichts­hof” zum Tode ver­urteilt. Äußerer Anlass sind regime­kritische Äußerungen während des Treffens im November 1943, im Hinter­grund steht jedoch die Ausei­nander­setzung mit einem Himmler beson­ders nahe­stehenden höheren SS- und Poli­zei­führer, der Wentzel aus persön­lichem Interesse schon zu einem früheren Zeit­punkt denun­ziert hat. Carl Wentzel-Teut­schen­thal wird am 20. Dezember 1944 in Berlin-Plötzen­see ermordet.

Aufrecht, getrost und unschuldig gehe ich in den Tod.

Carl Wentzel-Teutschen­thal in einem kurzen Abschiedsbrief an seinen Sohn Carl Friedrich, 20. Dezember 1944

Quelle: Institut für Zeitgeschichte München, ED 378-53

Carl Wentzel wurde nun von einem Gefängnis in das andere ver­schleppt; bald war er in Tegel, dann wieder in der Prinz Albrecht­straße, in der Lehrter­straße, Bellevuestraße, Tegel usw., wie es gerade den Gestapo­behörden paßte, stets unter den un­mensch­lichsten Bedingungen. ... Die Gestapo wandte alle Mittel an, ihm Geständ­nisse zu erpressen ..., es sind sogar körperliche Folte­rungen bei ihm durchgeführt worden; Niemand hat bei ihm erreicht, daß er etwas sagte, was er nicht verant­worten konnte. ... Schließ­lich haben sie es [das Gebäude einer Anschul­digung] konstruiert ... 

Hanns Martin Elster in einem Lebensbild über Carl Wentzel-Teutschen­thal, nach 1945

Quelle: Archiv der Stiftung Hilfswerk 20. Juli 1944

Portrait: Carl Wentzel-TeutschenthalCarl Wentzel-Teut­schen­thal, um 1943