Hermann Wehrle
14. September 1944, Berlin-Plötzensee
Hermann Wehrle wächst in Höchst am Main auf und legt 1917 ein Notabitur ab. Nach dem Einsatz im Ersten Weltkrieg beginnt er ein Theologiestudium, das er aber 1922 abbricht. Er promoviert stattdessen 1930 mit einer Arbeit zur Kulturgeschichtsschreibung. Wehrle arbeitet in der Folgezeit als freier Journalist. Diese Tätigkeit muss er 1933 beenden, da er sich weigert, der Reichsschrifttumskammer beizutreten. Aus der darauffolgenden Anstellung als Erzieher wird er 1940 ohne Angabe von Gründen entlassen. Hermann Wehrle führt in Augsburg sein Theologiestudium fort und wird im April 1942 zum Priester geweiht.
Unter dem damaligen Kirchenrektor Alfred Delp wird Wehrle Kaplan in München-Bogenhausen. Dort ist er der Beichtvater von Ludwig Freiherr von Leonrod, der dem militärischen Widerstand gegen Hitler angehört und in die Umsturzpläne eingeweiht ist. Im Dezember 1943 fragt Leonrod während der Beichte, wie das Wissen um einen Staatsstreich- oder Attentatsplan vom kirchlichen Standpunkt aus zu bewerten sei. Wehrle antwortet, dass zwar der Tyrannenmord Sünde sei, die bloße Mitwisserschaft dagegen nicht.
Hermann Wehrle wird am 18. August 1944 in München festgenommen. Er wird nach Berlin gebracht und muss dort im Prozess vor dem „Volksgerichtshof” als dessen Beichtvater gegen Ludwig Freiherr von Leonrod aussagen. Leonrod wird am 21. August vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt.
Wehrle wird im Zellengefängnis Lehrter Straße 3 inhaftiert und am 13. September 1944 ebenfalls vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt. Er wird am folgenden Tag im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.












