Willi Tschorsch
27. Januar 1975, Berlin (Ost)
Willi Tschorsch erlernt das Schlosserhandwerk in den Borsigwerken und ist gewerkschaftlich im Deutschen Metallarbeiterverband organisiert. Von 1917 bis 1919 leistet er seinen Militärdienst und nimmt am Ersten Weltkrieg teil. Von 1927 bis 1932 ist er bei der Mitropa angestellt, anschließend beim Spreewerk Spandau und ab 1937 bei der Henschel Flugzeug-Werke AG.
Seit 1938 arbeitet er in der AEG-Turbinenfabrik in der Huttenstraße im Wedding. Dort beginnt er, in der bereits bestehenden kommunistischen Betriebsgruppe um Wilhelm Leist mitzuarbeiten und sammelt unter anderem Geld, Brotmarken und Zigaretten für Angehörige von politisch Verfolgten. Zudem beherbergt er in seiner Wohnung eine rassisch verfolgte Familie.
Am 28. Februar 1945 wird Willi Tschorsch mit 14 anderen Kollegen der Turbinenfabrik von der Gestapo festgenommen und in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 gebracht, wo sie in Einzelhaft gehalten und täglich gefesselt zum Verhör in das „Hausgefängnis” gebracht werden.
Bei der Verhandlung vor dem Berliner Kammergericht am 20. und 21. März 1945 wird Willi Tschorsch der „Nichtanzeige eines hochverräterischen Unternehmens” angeklagt, jedoch mangels Beweisen freigesprochen. Laut Gefangenenbuch wird er noch am 21. März aus der Haft entlassen.
Im Februar wurde ich ... von der Gestapo verhaftet, man brachte uns nach der Lehrterstraße und klagte uns des Hochverrats an, man steckte uns in Einzelhaft und [wir] wurden täglich gefesselt der Gestapo vorgeführt mit den üblichen Schikanen. ... Leider mußten von meinen Genossen, die mit mir desgleichen angeklagt waren und leider überführt wurden 7 ihr Leben lassen, die übrigen [wurden] zu Zuchthaus verurteilt.
Willi Tschorsch über die Festnahme der in der AEG-Betriebszelle um Wilhelm Leist aktiven Arbeitskameraden, 21. Juni 1945
Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep 118-01, Nr. 12005


