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Willi Tschorsch

30. Juni 1899, Berlin
27. Januar 1975, Berlin (Ost)

Willi Tschorsch erlernt das Schlosser­hand­werk in den Borsig­werken und ist gewerk­schaft­lich im Deutschen Metall­arbei­ter­verband orga­nisiert. Von 1917 bis 1919 leistet er seinen Militär­dienst und nimmt am Ersten Welt­krieg teil. Von 1927 bis 1932 ist er bei der Mitropa ange­stellt, anschlie­ßend beim Spree­werk Spandau und ab 1937 bei der Henschel Flug­zeug-Werke AG.

Seit 1938 arbeitet er in der AEG-Turbi­nen­fabrik in der Hutten­straße im Wed­ding. Dort beginnt er, in der bereits beste­henden kommu­nisti­schen Betriebs­gruppe um Wilhelm Leist mit­zu­arbeiten und sammelt unter anderem Geld, Brot­marken und Ziga­retten für Ange­hörige von poli­tisch Ver­folgten. Zudem beher­bergt er in seiner Wohnung eine rassisch verfolgte Familie. 

Am 28. Februar 1945 wird Willi Tschorsch mit 14 anderen Kollegen der Tur­binen­fabrik von der Gestapo fest­ge­nommen und in das Zellen­ge­fäng­nis Lehrter Straße 3 gebracht, wo sie in Einzel­haft gehalten und täglich gefes­selt zum Verhör in das „Haus­gefäng­nis” gebracht werden.

Bei der Ver­hand­lung vor dem Berliner Kammer­gericht am 20. und 21. März 1945 wird Willi Tschorsch der „Nicht­anzeige eines hoch­verrä­terischen Unter­nehmens” ange­klagt, jedoch mangels Beweisen frei­ge­sprochen. Laut Gefange­nen­buch wird er noch am 21. März aus der Haft ent­lassen.

Im Februar wurde ich ... von der Gestapo verhaftet, man brachte uns nach der Lehrter­straße und klagte uns des Hoch­verrats an, man steckte uns in Einzel­haft und [wir] wurden täglich gefesselt der Gestapo vorge­führt mit den üblichen Schikanen. ... Leider mußten von meinen Genossen, die mit mir desgleichen ange­klagt waren und leider über­führt wurden 7 ihr Leben lassen, die übrigen [wurden] zu Zucht­haus verurteilt. 

Willi Tschorsch über die Festnahme der in der AEG-Betriebszelle um Wilhelm Leist aktiven Arbeitskameraden, 21. Juni 1945

Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep 118-01, Nr. 12005

Portrait: Willi TschorschWilli Tschorsch, um 1946