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Peter Suhrkamp

28. März 1891, Kirchhatten
31. März 1959, Frankfurt am Main

Johann Heinrich Suhr­kamp kommt als erster Sohn eines Land­wirts zur Welt und wird gegen dessen Willen Volks­schul­lehrer. Seit dem Bruch nennt er sich Peter. Er holt das Abitur nach, nimmt als Frei­wil­liger am Ersten Welt­krieg teil und ist nach einem Germa­nistik­studium an Reform­schulen als Drama­turg und ab 1929 als Redak­teur beim Berliner Ullstein-Ver­lag tätig. 

Anfang 1933 über­nimmt Peter Suhr­kamp die Chef­redak­tion der im weltbe­kannten S. Fischer-Ver­lag erschei­nenden „Neuen Rund­schau” und tritt kurz darauf in den Ver­lags­vor­stand ein. Auf Drängen der Erben Samuel Fischers, die wegen ihrer jüdischen Her­kunft fliehen müssen, über­nimmt er die treu­hän­derische Leitung und schafft es, eine Schlie­ßung des Verlags zu ver­hin­dern. 

Am 13. April 1944 wird Peter Suhr­kamp, der auch mit Auf­sätzen zu aktuellen Zeit­fragen das Miss­fallen der NS-Füh­rung erregt hat, festge­nommen und während der Verhöre im KZ Ravens­brück schwer miss­handelt. Mitte Juli wird er nach Berlin, am 26. Oktober in die Gesta­po­abtei­lung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße und am 25. Januar 1945 in das KZ Sach­sen­hausen über­führt.  

Am 8. Februar 1945 schwer­krank aus dem Lager ent­lassen, erlebt er das Kriegs­ende im Städti­schen Kranken­haus in Potsdam. Von der Haft trägt er lebens­lange gesund­heit­liche Folgen davon.  

Im Oktober 1945 erhält er in Berlin von der briti­schen Militär­regie­rung als erster eine Ver­lags­lizenz. 1950 gibt er den Verlag der Familie S. Fischer zurück und gründet den Suhr­kamp Verlag, den er bis zu seinem Tod 1959 leitet.  

An diesen Orten, wo keine Gerech­tig­keit, keine Hilfe, keine Hoff­nung und nicht der kleinste Raum für die mensch­liche Seele war, wo Hunger, Seuchen, Ekel und Foltern den Willen und den Geist lähmten, fand ich Halt nur in der Pflege meines Menschen, durch Ord­nung des Tages und regel­mäßige Gewohn­heiten. ... Über alles ging mir die Sorge, daß ich unter Foltern andere nicht belas­ten dürfte und daß ich in den Abgrün­den von Leiden nicht das mensch­liche Gesicht verlieren dürfte.

Peter Suhrkamp über seine Zeit in Gefängnissen und Lagern, 1946

Quelle: Siegfried Unseld, Peter Suhrkamp. Zur Biographie eines Verlegers in Daten, Dokumenten und Bildern, Frankfurt am Main 1975, S. 117.

1944, in der Isolie­rung der Gefängnis­zelle, abge­schnit­ten von allen Menschen, und selbst außer­halb der Tages­zeiten und Jahres­zeiten der Natur lebend, besann ich mich immer wieder auf die Freun­de. Ich wußte sie in der ganzen Welt zer­streut ... . Es war diese Gemein­schaft, an der ich mich damals vor allem auf­recht hielt.

Peter Suhrkamp während einer Ansprache in Darmstadt, 1956

Quelle: Siegfried Unseld, Peter Suhrkamp. Zur Biographie eines Verlegers in Daten, Dokumenten und Bildern, Frankfurt am Main 1975, S. 105.

Portrait: Peter SuhrkampPeter Suhrkamp, nach 1945