Theodor Steltzer
27. Oktober 1967, München
Der Jurist Theodor Steltzer wird 1920 Landrat des Kreises Rendsburg in Schleswig-Holstein und steht der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) nahe. Im Frühjahr 1933 wird er entlassen und von den neuen Machthabern auch wegen Hochverrats angeklagt, weil er in einer Denkschrift für die österreichische Regierung die Politik des NS-Regimes offen kritisiert hat. Nach mehreren Monaten Haft wird er jedoch freigesprochen. 1936 übernimmt er die Leitung des Sekretariats der evangelischen Michaelsbruderschaft in Marburg.
1939 wird er zur Wehrmacht einberufen und ist seit 1940 Oberstleutnant im Generalstab des Wehrmachtbefehlshabers Norwegen in Oslo. Im selben Jahr lernt er Helmuth James Graf von Moltke kennen, der ihn für die Mitarbeit im Kreisauer Kreis gewinnt. 1942 nimmt er an den ersten beiden Haupttagungen in Kreisau teil.
Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wird Theodor Steltzer, der von den Verschwörern als Landesverweser für Schleswig-Holstein vorgesehen ist, dienstlich nach Berlin zurückgerufen, am 1. August 1944 auf dem Flughafen Tempelhof von der Gestapo festgenommen und in das Zellengefängnis Lehrter Straße eingewiesen. Am 15. Januar 1945 verurteilt ihn der „Volksgerichtshof” zum Tode. Nachdem schwedische und norwegische Freunde bei Heinrich Himmler intervenieren, wird die Hinrichtung aufgeschoben und Theodor Steltzer am 25. April 1945 aus der Haft entlassen.
Theoodor Steltzer gehört zu den Mitbegründern der Berliner CDU und ist von 1945 bis 1947 zunächst Oberpräsident, später Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.
Wie wir ... im Keller des Moabiter Gefängnisses wieder zusammentrafen und die ersten geflüsterten Gespräche führen konnten, schien es wenig Sinn zu haben, über die Zukunft zu sprechen, so aussichtslos war die Lage. Wir haben es aber trotzdem getan, weil uns die Sorge um das Schicksal unseres Volkes dazu trieb. Und wir machten uns Gedanken darüber, wie ein zukünftiges Deutschland aussehen müßte.
Theodor Steltzer über die Zusammentreffen im Keller bei Fliegeralarm in einem Brief an Andreas Hermes, 16. Juli 1948
Quelle: Landesarchiv Schleswig-Holstein, Best. 399.55 NL Steltzer, zit. nach Martina Neumann, Theodor Tantzen, Ein widerspenstiger Liberaler gegen den Nationalsozialismus, Hannover 1998, S. 290.
Ich wurde in eine Einzelzelle gesteckt und meinem Schicksal überlassen. Man durfte weder lesen noch schreiben. ... Menschliche Beziehungen ergaben sich zunächst nur zu den Kalfaktoren. Es handelte sich um Mitgefangene, die nach Verbüßung der Strafe in sogenannte Sicherheitsverwahrung genommen waren und nun zu untergeordneten Aufgaben herangezogen wurden. Sie brachten morgens eine Kanne mit Waschwasser, leerten die Zellenklosetts und verteilten das Essen in die Essnäpfe. ... Ich war an den Händen gefesselt. Nur zum Anziehen und zum Essen wurden die Fesseln vorübergehend abgenommen.
Theodor Steltzer über die Haftbedingungen im Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Theodor Steltzer, Sechzig Jahre Zeitgenosse, München 1966, S. 163.











