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Theodor Steltzer

17. Dezember 1885, Trittau
27. Oktober 1967, München

Der Jurist Theodor Steltzer wird 1920 Landrat des Kreises Rends­burg in Schleswig-Hol­stein und steht der Deut­schen Demo­kra­tischen Partei (DDP) nahe. Im Früh­jahr 1933 wird er entlassen und von den neuen Macht­habern auch wegen Hoch­verrats ange­klagt, weil er in einer Denk­schrift für die österrei­chische Regie­rung die Politik des NS-Regimes offen kriti­siert hat. Nach mehreren Monaten Haft wird er jedoch freige­sprochen. 1936 über­nimmt er die Leitung des Sekre­tariats der evange­lischen Michaels­bruder­schaft in Mar­burg. 

1939 wird er zur Wehr­macht einbe­rufen und ist seit 1940 Oberst­leut­nant im General­stab des Wehr­macht­befehls­habers Nor­wegen in Oslo. Im selben Jahr lernt er Helmuth James Graf von Moltke kennen, der ihn für die Mit­arbeit im Krei­sauer Kreis gewinnt. 1942 nimmt er an den ersten beiden Haupt­tagun­gen in Kreisau teil. 

Nach dem geschei­terten Umsturz­ver­such vom 20. Juli 1944 wird Theodor Steltzer, der von den Ver­schwö­rern als Landes­ver­weser für Schleswig-Hol­stein vor­ge­sehen ist, dienst­lich nach Berlin zurück­gerufen, am 1. August 1944 auf dem Flug­hafen Tempel­hof von der Gestapo festge­nom­men und in das Zellen­ge­fängnis Lehrter Straße einge­wie­sen. Am 15. Januar 1945 ver­urteilt ihn der „Volks­gerichts­hof” zum Tode. Nach­dem schwe­dische und norwe­gische Freunde bei Heinrich Himmler inter­ve­nieren, wird die Hin­rich­tung aufge­schoben und Theodor Steltzer am 25. April 1945 aus der Haft ent­lassen. 

Theoodor Steltzer gehört zu den Mitbegründern der Berliner CDU und ist von 1945 bis 1947 zunächst Ober­präsi­dent, später Minis­ter­präsident des Landes Schleswig-Hol­stein.

Wie wir ... im Keller des Moabiter Gefängnisses wieder zusammentrafen und die ersten geflüsterten Gespräche führen konnten, schien es wenig Sinn zu haben, über die Zukunft zu sprechen, so aussichtslos war die Lage. Wir haben es aber trotzdem getan, weil uns die Sorge um das Schicksal unseres Volkes dazu trieb. Und wir machten uns Gedanken darüber, wie ein zukünf­tiges Deutsch­land aussehen müßte.

Theodor Steltzer über die Zusammentreffen im Keller bei Fliegeralarm in einem Brief an Andreas Hermes, 16. Juli 1948

Quelle: Landesarchiv Schleswig-Holstein, Best. 399.55 NL Steltzer, zit. nach Martina Neumann, Theodor Tantzen, Ein widerspenstiger Liberaler gegen den Nationalsozialismus, Hannover 1998, S. 290.

Ich wurde in eine Einzel­zelle gesteckt und meinem Schicksal über­lassen. Man durfte weder lesen noch schreiben. ... Mensch­liche Beziehungen ergaben sich zunächst nur zu den Kalfak­toren. Es handelte sich um Mitge­fangene, die nach Verbüßung der Strafe in sogenannte Sicher­heitsver­wahrung genommen waren und nun zu unter­geord­neten Aufgaben heran­gezogen wurden. Sie brachten morgens eine Kanne mit Wasch­wasser, leerten die Zellenklosetts und verteilten das Essen in die Essnäpfe. ... Ich war an den Händen gefesselt. Nur zum Anziehen und zum Essen wurden die Fesseln vorüber­gehend abge­nommen.

Theodor Steltzer über die Haftbedingungen im Zellengefängnis Lehrter Straße

Quelle: Theodor Steltzer, Sechzig Jahre Zeitgenosse, München 1966, S. 163.

Portrait: Theodor SteltzerTheodor Steltzer, um 1940