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Eduard Spranger

27. Juni 1882, Berlin
17. September 1963, Tübingen

Eduard Spranger studiert Philo­sophie an der Berliner Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­sität. Nach seiner Habili­tation in Philo­sophie und Päda­gogik folgt er einem Ruf an die Uni­ver­sität Leipzig, wo er seine spätere Frau Susanne Conrad kennen­lernt, und 1919 an die Berliner Univer­sität. Er ist maßgeb­lich daran beteiligt, die Päda­gogik als selbst­ständige akade­mische Disziplin zu etablie­ren. Mit der 1925 von ihm mitbegrün­deten Zeit­schrift „Die Erzie­hung” nimmt er auch Ein­fluss auf schul­poli­tische Ent­wick­lungen. 

Nach dem Macht­antritt Hitlers spricht sich Eduard Spranger am 25. April 1933 öffentlich gegen die anti­semi­tischen Aktionen der Berliner Studen­tenschaft und die Berufung des NS-Päda­gogen Alfred Baeumler und für die Freiheit der Wissen­schaft aus. Sein damit verbun­denes Rück­tritts­gesuch zieht er Anfang Juni wieder zurück. 1936 geht er für ein Jahr nach Japan und lehrt dort als Gast­professor. 

Seit 1934 Mitglied der Mittwochs­gesell­schaft, wird Eduard Spranger nach dem Um­sturz­versuch vom 20. Juli 1944 wegen seiner Bekanntschaft mit Ludwig Beck und Ulrich von Hassell festge­nommen und am 8. Sep­tember 1944 in das Zellen­gefäng­nis Lehrter Straße 3 ein­gelie­fert. 

Nach­dem seine Frau den japa­nischen Bot­schafter infor­miert und dieser bei der Reichs­führung inter­veniert, wird Eduard Spranger am 14. Novem­ber 1944 aus der Haft ent­lassen. Ab 1947 lehrt er bis über seine Emeritierung hinaus an der Universität Tübingen. 

Geholfen hat mir aber die eigent­liche Philoso­phie nicht, nicht die Stoiker, nicht Hegel, nicht Goethe. Die direkte religiöse Frage hat mich tief ergriffen. ... Fromm gesprochen hat Gott mich, vom ersten Tage an fühlbar in seinen gütigen Schutz genommen. ... Von den seelischen Qualen der Haft, wie gerade ich sie empfun­den habe, läßt sich nur schwer ein Bild geben. Denke Dir einen Menschen, dem schwin­delig ist, auf einer Turm­spitze ohne Geländer gefesselt – so ungefähr steht man am Abgrund.

Eduard Spranger in einem Brief an Käthe Handlich vom 18. November 1944

Quelle: Eduard Spranger, Gesammelte Schriften, Band 7, Briefe, Tübingen 1978, S. 222f.

Portrait: Eduard SprangerEduard Spranger, um 1930