Eduard Spranger
17. September 1963, Tübingen
Eduard Spranger studiert Philosophie an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Nach seiner Habilitation in Philosophie und Pädagogik folgt er einem Ruf an die Universität Leipzig, wo er seine spätere Frau Susanne Conrad kennenlernt, und 1919 an die Berliner Universität. Er ist maßgeblich daran beteiligt, die Pädagogik als selbstständige akademische Disziplin zu etablieren. Mit der 1925 von ihm mitbegründeten Zeitschrift „Die Erziehung” nimmt er auch Einfluss auf schulpolitische Entwicklungen.
Nach dem Machtantritt Hitlers spricht sich Eduard Spranger am 25. April 1933 öffentlich gegen die antisemitischen Aktionen der Berliner Studentenschaft und die Berufung des NS-Pädagogen Alfred Baeumler und für die Freiheit der Wissenschaft aus. Sein damit verbundenes Rücktrittsgesuch zieht er Anfang Juni wieder zurück. 1936 geht er für ein Jahr nach Japan und lehrt dort als Gastprofessor.
Seit 1934 Mitglied der Mittwochsgesellschaft, wird Eduard Spranger nach dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wegen seiner Bekanntschaft mit Ludwig Beck und Ulrich von Hassell festgenommen und am 8. September 1944 in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert.
Nachdem seine Frau den japanischen Botschafter informiert und dieser bei der Reichsführung interveniert, wird Eduard Spranger am 14. November 1944 aus der Haft entlassen. Ab 1947 lehrt er bis über seine Emeritierung hinaus an der Universität Tübingen.
Geholfen hat mir aber die eigentliche Philosophie nicht, nicht die Stoiker, nicht Hegel, nicht Goethe. Die direkte religiöse Frage hat mich tief ergriffen. ... Fromm gesprochen hat Gott mich, vom ersten Tage an fühlbar in seinen gütigen Schutz genommen. ... Von den seelischen Qualen der Haft, wie gerade ich sie empfunden habe, läßt sich nur schwer ein Bild geben. Denke Dir einen Menschen, dem schwindelig ist, auf einer Turmspitze ohne Geländer gefesselt – so ungefähr steht man am Abgrund.
Eduard Spranger in einem Brief an Käthe Handlich vom 18. November 1944
Quelle: Eduard Spranger, Gesammelte Schriften, Band 7, Briefe, Tübingen 1978, S. 222f.



