Kurt Sorge
1. August 1959, Garmisch-Partenkirchen
Kurt Sorge ist ab 1912 Betriebsingenieur bei der Gutehoffnungshütte in Oberhausen. 1919 heiratet er Eva Kleefeld, im April 1920 kommt die gemeinsame Tochter Jutta zur Welt. Kurt Sorge ist zwischen 1920 und 1930 Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes für Dortmund und hat anschließend die Geschäftsführung verschiedener Industrieverbände inne.
Aufgrund der jüdischen Herkunft seiner Ehefrau stößt Sorge zunehmend auf berufliche Probleme. Zum Freundeskreis der Familie gehört seit 1939 Werner von Haeften, der als Adjutant von Claus Schenk Graf von Stauffenberg an den Attentatsplänen vom 20. Juli 1944 maßgeblich beteiligt ist.
Im Juni 1944 bittet Haeften die Familie Sorge, den flüchtigen Hauptmann Ludwig Gehre zu beherbergen, der dem Widerstandskreis im Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht angehört. Die Familie entschließt sich, Gehre in ihrem Haus für mehrere Wochen unterzubringen.
Am 4. Oktober 1944 werden Eva und Kurt Sorge festgenommen, am 14. Oktober wird auch die Tochter Jutta in Haft genommen. Kurt Sorge wird in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 gebracht und noch am 20. April 1945 vom „Volksgerichtshof” zu drei Jahren Haft verurteilt.
In den frühen Morgenstunden des 23. April 1945 wird er gemeinsam mit vier weiteren Häftlingen in die Haftanstalt Plötzensee eingeliefert. Dort wird er am 25. April 1945 befreit.
1953 wandert das Ehepaar Sorge in die USA aus, wo auch ihre Tochter Jutta mit ihrem Ehemann Hellmuth Cords lebt. 1956 kehren sie nach Deutschland zurück.
Während der ganzen Haftzeit ... wurde ich in strenger Einzelhaft gehalten. In den ersten etwa 4 Monaten wurden mir auch die sonst im allgemeinen üblichen Vergünstigungen der Gestapohäftlinge in der Lehrterstraße wie der tägliche Erholungsgang im Gefängnishof, Rauch-, Lese- und Schreiberlaubnis vorenthalten, und ich verließ meine Zelle nur, wenn ich gefesselt zu Vernehmungen geführt wurde.
Bericht von Kurt Sorge über seine Haft im Zellengefängnis
Quelle: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Nds. 110 W, Acc. 14/99, Nr. 107954
Über das Schicksal meiner Frau und Tochter wurde mir jede Auskunft verweigert. Dies bedeutete insofern eine besonders schwere seelische Belastung als meine Frau den Nürnberger Gesetzen unterlag und mir als einzige Mitteilung bei meiner ersten Vernehmung von dem Gestapobeamten Stawitzki eröffnet wurde: ,Nachdem wir jetzt Ihre Frau einmal haben, bekommen Sie die nicht wieder zu sehen, ganz unabhängig was mit Ihnen wird.'
Bericht von Kurt Sorge über seine Haft im Zellengefängnis
Quelle: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Nds. 110 W, Acc. 14/99, Nr. 107954














