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Kurt Sorge

11. Februar 1886, Osnabrück
1. August 1959, Garmisch-Partenkirchen

Kurt Sorge ist ab 1912 Betriebs­ingenieur bei der Gute­hoffnungs­hütte in Oberhausen. 1919 heiratet er Eva Kleefeld, im April 1920 kommt die gemeinsame Tochter Jutta zur Welt. Kurt Sorge ist zwischen 1920 und 1930 Geschäfts­führer des Arbeitgeber­verbandes für Dortmund und hat an­schließend die Geschäfts­führung verschie­dener Industrie­verbände inne. 

Auf­grund der jüdischen Her­kunft seiner Ehefrau stößt Sorge zunehmend auf berufliche Probleme. Zum Freun­des­kreis der Familie gehört seit 1939 Werner von Haeften, der als Adjutant von Claus Schenk Graf von Stauffenberg an den Attentats­plänen vom 20. Juli 1944 maß­geblich beteiligt ist.

Im Juni 1944 bittet Haeften die Familie Sorge, den flüchtigen Haupt­mann Ludwig Gehre zu beher­bergen, der dem Widerstands­kreis im Amt Ausland/Abwehr im Ober­kommando der Wehr­macht angehört. Die Familie ent­schließt sich, Gehre in ihrem Haus für mehrere Wochen unter­zubringen.

Am 4. Oktober 1944 werden Eva und Kurt Sorge fest­genommen, am 14. Oktober wird auch die Tochter Jutta in Haft genom­men. Kurt Sorge wird in das Zellen­gefängnis Lehrter Straße 3 gebracht und noch am 20. April 1945 vom „Volks­gerichts­hof” zu drei Jahren Haft verurteilt. 

In den frühen Morgen­stunden des 23. April 1945 wird er gemein­sam mit vier weiteren Häft­lingen in die Haft­anstalt Plötzensee einge­liefert. Dort wird er am 25. April 1945 befreit. 

1953 wandert das Ehepaar Sorge in die USA aus, wo auch ihre Tochter Jutta mit ihrem Ehe­mann Hellmuth Cords lebt. 1956 kehren sie nach Deutschland zurück.

Während der ganzen Haftzeit ... wurde ich in strenger Einzel­haft gehalten. In den ersten etwa 4 Monaten wurden mir auch die sonst im allgemeinen üblichen Vergünstigungen der Gestapo­häftlinge in der Lehrter­straße wie der tägliche Erholungsgang im Gefängnishof, Rauch-, Lese- und Schreiberlaubnis vorenthalten, und ich verließ meine Zelle nur, wenn ich gefesselt zu Vernehmungen geführt wurde.

Bericht von Kurt Sorge über seine Haft im Zellengefängnis

Quelle: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Nds. 110 W, Acc. 14/99, Nr. 107954

Über das Schicksal meiner Frau und Tochter wurde mir jede Auskunft verweigert. Dies bedeutete insofern eine besonders schwere seelische Belastung als meine Frau den Nürnberger Gesetzen unterlag und mir als einzige Mitteilung bei meiner ersten Vernehmung von dem Gestapo­beamten Stawitzki eröffnet wurde: ,Nachdem wir jetzt Ihre Frau einmal haben, bekommen Sie die nicht wieder zu sehen, ganz unabhängig was mit Ihnen wird.'

Bericht von Kurt Sorge über seine Haft im Zellengefängnis

Quelle: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Nds. 110 W, Acc. 14/99, Nr. 107954

Portrait: Kurt SorgeKurt Sorge