Curt Selten
13. Februar 1968, Berlin (West)
Curt Selten kommt als Sohn der Kindergärtnerin Therese Bernklau zur Welt und wird 1912 von seinem Vater, dem jüdischen Kaufmann Detmund Selten, adoptiert. Er absolviert eine kaufmännische Ausbildung im Maschinenbauunternehmen Orenstein & Koppel.
Ab 1934 ist er Verkaufsleiter der Berliner Niederlassung der Ersten Ostpreußischen Bettfedernfabrik Jakob Klimowski. Als Jakob Klimowski nach den Novemberpogromen 1938 in das KZ Sachsenhausen verschleppt wird, setzen sich verschiedene Freunde, darunter auch Curt Selten, für ihn ein. Klimowski kommt nach mehreren Wochen frei und kann nach Großbritannien emigrieren. Selten gründet 1938 eine eigene Bettfederngroßhandlung.
Im Oktober 1944 lernt er durch Hans-Dietrich Patermann, mit dem er seit seiner Schulzeit befreundet ist, den auf der Flucht befindlichen Ludwig Gehre und dessen Frau Hanna kennen. Gehre, der zum Widerstandskreis im Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht gehört, kann sich mit seiner Frau mit Hilfe eines breiten Kreises von Unterstützerinnen und Unterstützern bis November 1944 verbergen. Curt Selten beherbergt das Ehepaar Gehre für mehrere Tage in seinen Geschäftsräumen.
Curt Selten wird am 14. Dezember in seinem Büro festgenommen und in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert. Da ihm nicht nachgewiesen werden kann, dass er von den Widerstandsaktivitäten Gehres wusste, wird Curt Selten nach achtwöchiger Einzelhaft am 9. Februar 1944 entlassen.
Ab 1948 ist er als Geschäftsführer und Gesellschafter der Bettfedernfabrik Nord GmbH in Berlin-Wittenau tätig.

