Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg
10. August 1944, Berlin-Plötzensee
Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg studiert Rechtswissenschaften und tritt noch als Assessor 1932 der NSDAP bei. 1933 heiratet er Charlotte Kotelmann, aus der Ehe gehen fünf Töchter und ein Sohn hervor. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten übt er verschiedene Parteiämter aus und arbeitet in Königsberg als persönlicher Referent des Gauleiters und Oberpräsidenten Erich Koch. 1937 wird er stellvertretender Polizeipräsident von Berlin, zwei Jahre später geht er als Regierungspräsident und Vertreter des Oberpräsidenten nach Breslau. Als Reserveoffizier des Potsdamer Infanterieregiments 9 wird er 1940 eingezogen.
Nach den nationalsozialistischen Mordaktionen im Juni 1934 wächst die Distanz Schulenburgs zum Nationalsozialismus zunehmend. 1938 kommt er mit der militärischen Opposition in Verbindung und unterstützt den Umsturzversuch im September desselben Jahres. Zudem gehört er als Freund von Peter Graf Yorck von Wartenburg zum Umfeld des Kreisauer Kreises. Auf Grund seiner umfassenden Verwaltungserfahrung bereitet er vor allem den personellen Neuanfang nach einem Regimewechsel vor. Vorgesehen als Staatssekretär des designierten Innenministers Julius Leber, gehört er zum engsten Kreis der Verschwörer.
Nach dem gescheiterten Umsturz wird er am späten Abend des 20. Juli 1944 im Berliner Bendlerblock festgenommen und am 22. Juli in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 gebracht. Fritz-Dietlof von der Schulenburg wird am 10. August 1944 vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt und noch am selben Tag in Berlin-Plötzensee ermordet.
Je mehr ich über die Entwicklung nachdachte, desto klarer wurde mir, daß alle ihre Züge im Grunde eine Wurzel hatten: Gewalt ohne Maß, innen und außen. Allmählich kam ich zu der Erkenntnis: Eine Reform hilft nicht mehr, da alles ineinander verkettet ist und in Grundtatsachen beruht, die mit dem Charakter des Systems unwandelbar verbunden sind.
Aussage von Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg im Bericht der „Sonderkommission 20. Juli 1944” an Martin Bormann, 16. Oktober 1944
Quelle: Bundesarchiv, NS 6/14






