Erwin Scholz
15. Juni 1972, Schwanebeck/Barnim
Nach der Volksschule macht Erwin Scholz eine Ausbildung bei der Siemens Schuckert A.G. im Kabelwerk in Haselhorst. Im Ersten Weltkrieg ist er als Kriegsfreiwilliger beim Garde-Schützen-Bataillon Lichterfelde. Nach erneuter Anstellung bei Siemens zieht Erwin Scholz ins Ruhrgebiet und dann nach Österreich und Italien, wo er den Beginn des Faschismus und den Regierungsantritt Mussolinis erlebt.
1924 kehrt er nach Berlin zurück und heiratet 1925 Auguste Netzker. 1930 tritt er in die KPD und den Sportverein Fichte ein. Erwin Scholz arbeitet bei der Karstadt A.G. in Neukölln, baut dort eine kommunistische Betriebszelle auf und wird 1933 wegen seiner politischen Betätigung entlassen.
Ab 1944 arbeitet Erwin Scholz in der Kantine der Reichsbahndirektion. An seinem Arbeitsplatz knüpft er Kontakte zu sowjetischen Zwangsarbeitern. Nachdem er beschuldigt wird, diese zur Sabotage aufgerufen zu haben, wird er zum Stettiner Bahnhof zwangsversetzt und kommt dort in Kontakt mit Richard Weller, der eine Betriebszelle in der AEG Drontheimer Straße aufbaut.
Die Gruppe wird von der Gestapo aufgedeckt, Erwin Scholz am 16. Januar 1945 festgenommen und am 26. Februar vom Polizeigefängnis Alexanderplatz in das Zellengefängnis Lehrter Straße verlegt. Am 18. April wird er vom Berliner Kammergericht zum Tode verurteilt und zwei Tage später in das Strafgefängnis Plötzensee überführt. Dort wird er am 25. April 1945 von der Roten Armee befreit.
Seit 1945 ist Erwin Scholz wieder Mitglied der KPD und ab 1946 der SED und leitet zuletzt ein Krankenpflegeheim in Berlin-Blankenburg.
[Erwin] Scholz, der der Zellennachbar von meinem Bruder [Herbert Kosney] war, lernte ich in der Lehrterstr. kennen. Er war, soweit mir bekannt, wegen politischer Arbeit drin und wurde zum Tode verurteilt. Er erzählte mir das persönlich, als er vom Termin zurückkam. Etwa Mitte April wurde Scholz aus dem Keller nach Plötzensee abgeholt.
Kurt Kosney über Erwin Scholz während der Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße, 9. Dezember 1949
Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 6892



