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Erwin Scholz

22. Januar 1899, Magdeburg
15. Juni 1972, Schwanebeck/Barnim

Nach der Volks­schule macht Erwin Scholz eine Aus­bil­dung bei der Siemens Schuckert A.G. im Kabel­werk in Hasel­horst. Im Ersten Welt­krieg ist er als Kriegs­frei­williger beim Garde-Schüt­zen-Batail­lon Lichter­felde. Nach erneuter Anstel­lung bei Siemens zieht Erwin Scholz ins Ruhr­gebiet und dann nach Öster­reich und Italien, wo er den Beginn des Faschis­mus und den Regie­rungs­antritt Mussolinis erlebt. 

1924 kehrt er nach Berlin zurück und heiratet 1925 Auguste Netzker. 1930 tritt er in die KPD und den Sport­verein Fichte ein. Erwin Scholz arbeitet bei der Kar­stadt A.G. in Neu­kölln, baut dort eine kommu­nis­tische Betriebs­zelle auf und wird 1933 wegen seiner poli­tischen Betä­tigung ent­lassen.

Ab 1944 arbeitet Erwin Scholz in der Kan­tine der Reichs­bahn­direk­tion. An seinem Arbeits­platz knüpft er Kon­takte zu sowje­tischen Zwangs­arbeitern. Nach­dem er beschul­digt wird, diese zur Sabo­tage aufge­rufen zu haben, wird er zum Stettiner Bahn­hof zwangs­ver­setzt und kommt dort in Kontakt mit Richard Weller, der eine Betriebs­zelle in der AEG Drontheimer Straße aufbaut. 

Die Gruppe wird von der Gestapo aufge­deckt, Erwin Scholz am 16. Januar 1945 festge­nommen und am 26. Februar vom Poli­zeige­fängnis Alexan­derplatz in das Zellen­ge­fängnis Lehrter Straße ver­legt. Am 18. April wird er vom Berliner Kammer­gericht zum Tode ver­urteilt und zwei Tage später in das Strafgefängnis Plötzen­see über­führt. Dort wird er am 25. April 1945 von der Roten Armee befreit. 

Seit 1945 ist Erwin Scholz wieder Mit­glied der KPD und ab 1946 der SED und leitet zuletzt ein Kran­ken­pflege­heim in Berlin-Blanken­burg. 

[Erwin] Scholz, der der Zellen­nach­bar von meinem Bruder [Herbert Kosney] war, lernte ich in der Lehrter­str. kennen. Er war, soweit mir bekannt, wegen poli­tischer Arbeit drin und wurde zum Tode verur­teilt. Er erzählte mir das persön­lich, als er vom Termin zurück­kam. Etwa Mitte April wurde Scholz aus dem Keller nach Plötzen­see abge­holt.

Kurt Kosney über Erwin Scholz während der Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße, 9. Dezember 1949

Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 6892