Ernst Schneppenhorst
24. April 1945, ULAP-Gelände, Berlin-Moabit
Der Schreiner Ernst Schneppenhorst ist von 1906 bis 1918 Geschäftsführer des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes in Nürnberg und von 1912 bis 1920 für die SPD Mitglied des Bayerischen Landtages. Er gehört zudem dem Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold an. 1918/19 ist er bis zur Übergabe der Bayerischen Armee an das Reich bayerischer Staatsminister für militärische Angelegenheiten. 1921 eröffnet er ein Optikergeschäft, das er 1933 auf Druck von Gauleiter Julius Streicher aufgeben muss. 1932 wird er für die SPD in den Reichstag gewählt.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme hält er sich in Berlin verborgen, wird aber 1938 für ein Jahr inhaftiert. Nach der Haftentlassung nimmt er Verbindung zu seinem früheren Gewerkschaftskollegen Wilhelm Leuschner auf und stellt im Herbst 1943 und im Frühjahr 1944 für ihn Kontakte zu ehemaligen Gewerkschaftern her.
Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wird Ernst Schneppenhorst festgenommen und zuerst in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen und am 19. Oktober 1944 im Zellengefängnis Lehrter Straße inhaftiert.
Ernst Schneppenhorst wird als letzter am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 beteiligter Gewerkschafter in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1945 auf einem Ruinengelände in der Nähe des Zellengefängnisses Lehrter von einem Sonderkommando aus dem Reichssicherheitshauptamt ermordet.
In der Nacht [zum 24. April 1945] wurden [Albrecht Graf von] Bernstorff, [Ludwig Freiherr von und zu] Gutenberg [sic] und [Ernst] Schneppenhorst plötzlich zwischen 2 und 3 Uhr abgeholt. Erst hiess es, sie kämen nur zur Vernehmung und sollten ihr Gepäck zurücklassen. Dann mussten sie das Gepäck noch holen; man sagte ihnen, sie sollten ›in einen Transport‹ kommen. Wir sind um sie begreiflicherweise in ernster Sorge.
Constantin von Dietze in seinem Hafttagebuch am 24. April 1945
Quelle: Constantin von Dietze, Briefe und Nachrichten aus der Haftzeit in Moabit (Lehrterstr. 3) und Ravensbrück, o.O., o.J., Kopie in Gedenkstätte Deutscher Widerstand




