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Wilhelm Schmidt

3. Oktober 1890, Stadthagen
7. Juni 1967, Berlin (West)

Wilhelm Schmidt ist nach einer kauf­män­nischen Lehre als Ver­lags­ver­treter in Berlin tätig. Er ist mit Antonie Jung­nick ver­hei­ratet, aus der Ehe gehen drei Söhne hervor. 

Im November 1939 wird er zur Aus­lands­brief­prüf­stelle im Amt Aus­land/Abwehr des Ober­kom­man­dos der Wehr­macht einge­zogen. Durch seine Bekannte Elisa­beth Rosen­berg lernt er um 1941 Hans John kennen, der ihn im März 1944 bittet, dem flüchtigen Ludwig Gehre, der zum Wider­stands­kreis im Amt Aus­land/Abwehr gehört, Unter­kunft zu gewähren. Antonie und Wilhelm Schmidt ver­stecken Gehre in ihrer Woh­nung in Berlin-Schmar­gen­dorf im März und April 1944 für mehrere Wochen. 

Nach der Fest­nahme von Hans John wird am 4. Okto­ber 1944 auch Wilhelm Schmidt festge­nom­men und in die Gesta­po-Abtei­lung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 einge­liefert. Am 18. April 1944 wird ihm dort die Anklage­schrift zuge­stellt. 

Die am 20. April 1945 statt­findende Verhand­lung vor dem „Volks­ge­richts­hof“ gegen ihn und weitere Flucht­helfer muss aufgrund naher Kampf­hand­lungen abge­brochen werden. Der Staats­anwalt hatte eine drei­jäh­rige Zucht­haus­strafe bean­tragt. Wilhelm Schmidt wird am 23. April in das Straf­gefäng­nis Plötzen­see über­führt und dort am 25. April befreit. 

Während meiner Haft­zeit in der Lehrter Strasse … wurde ich vom Kriminal­rat Stavitzky derart ins Gesicht geschlagen (mit dicken Ringen auf den Fingern), dass ich dadurch eine Anzahl Zähne verloren habe, was in der weiteren Folge­rung dazu geführt hat, dass ich heute als oberes Gebiss eine völlige Prothese tragen muss und im unteren eben­falls Ersatz ein­bauen lassen musste.

Wilhelm Schmidt über die Verhöre durch Kriminalrat Kurt Stawitzki, dem Schmidt laut eigener Aussage verhasst war, 1946

Quelle: Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) Berlin, Entschädigungsakte Wilhelm Schmidt, Reg. 25884

Am 23.4.45 wurde ich mit etwa 7 weiteren poli­tischen Häft­lingen mit unserem Gepäck auf den Gefäng­nis­hof geführt. Es war in der Morgen­dämmerung, ich vermute zwischen 05.00 und 5.45 Uhr. Es war ein ziem­liches Durch­einan­der. Ich vermute, daß man nicht recht wußte, was mit uns geschehen sollte. ... Darauf­hin wurden wir zu Fuß dem Zucht­haus Plötzen­see zugeführt. ... Daher ver­mute ich, daß nicht nur die beiden in der Nacht vom 22. zum 23.4.45 abge­holten Häft­lings­gruppen, sondern auch unsere Gruppe getötet werden sollte und daß wir es nur dem Umstand zu ver­danken haben, daß es bei der Zusammen­stellung unserer Gruppe schon dämmerig und lang­sam hell wurde, so daß man sich nicht traute, uns in der Nähe des Gefäng­nisses, wie die anderen beiden Gruppen, zu erschießen. Zu dieser Tages­zeit waren schon einige Zivilisten auf der Straße, vor denen man sich offenbar gescheut hat.

Aussage von Wilhelm Schmidt über seine Überführung in das Gefängnis Plötzensee am 23. April 1945, 17. November 1966

Quelle: Bundesarchiv, B 162/3232, Bl. 146ff.

Portrait: Wilhelm SchmidtWilhelm Schmidt, 1946