Dietrich Schatz
unbekannt
Dietrich Schatz tritt 1934 in die Reichswehr ein, nimmt nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am Westfeldzug sowie am Krieg gegen die Sowjetunion teil und wird bis 1944 zum Major befördert. Am 29. November 1944 wird er in Kurland festgenommen, nach Berlin gebracht und dort in das „Hausgefängnis” der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße 8 eingeliefert. Am 2. Dezember wird er in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 überstellt.
Erst in Berlin erfährt er, dass er sich in „Sippenhaft” für seinen Vetter Hans-Bernd Gisevius befindet. Dieser gehört zum Kreis der Verschwörer vom 20. Juli 1944, kann jedoch in die Schweiz entkommen. Dietrich Schatz unterliegt in der Lehrter Straße einer strengen Einzelhaft, ohne Lese- und Schreiberlaubnis.
Am 22. Januar 1945 wird er in das Konzentrationslager Stutthof gebracht, wo er auf seine Cousine Anneliese Gisevius trifft. Zusammen mit anderen „Sippenhäftlingen” beginnt für sie eine Odyssee durch verschiedene Lager. Am 16. April 1945 erreicht die Gruppe das KZ Dachau. Bei der Evakuierung des Lagers werden Dietrich Schatz, Reinhard Goerdeler, Franz von Hammerstein und zwei weitere „Sippenhäftlinge” von der Gruppe getrennt und müssen sich den Häftlingskolonnen einreihen, die zu Fuß in Richtung Tirol gehen sollen.
In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai 1945 werden sie von ihren SS-Bewachern auf einem Bauerngehöft zurückgelassen. Der weitere Lebensweg von Dietrich Schatz ist nicht bekannt.
Wir ... hatten einen Pferdewagen für unser Gepäck und übernachteten bei Bauern oder in Scheunen. ... Am 30. April wurden wir auf einem einsamen Bauerngehöft in den Keller gesperrt. Als wir am 1. Mai nach oben kamen, war die SS verschwunden, die Bauern gaben uns Frühstück, draußen fuhren die Amis und nahmen uns nach München mit.
Franz von Hammerstein über ihre Befreiung in einem Vortrag vom 19. Juli 1999
Quelle: Franz von Hammerstein, Gestapohäftling in Berlin – Sippenhäftling in Buchenwald – Sonderhäftling in Dachau, hg. von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 1999, S. 10.


