Augustin Rösch SJ
7. November 1961, München
Augustin Rösch wächst in einem katholischen Elternhaus auf und tritt schon als Achtzehnjähriger dem Jesuitenorden bei. 1925 zum Priester geweiht, wirkt er seit 1928 als Generalpräfekt, später als Rektor der Jesuitenschule Stella Matutina in Feldkirch. Ab 1935 bekleidet Rösch das Amt des Provinzials der Oberdeutschen Provinz der Jesuiten mit Sitz in München.
Wiederholt muss er sich mit dem nationalsozialistischen Staat auseinandersetzen, der die Jesuiten unnachgiebig verfolgt. Immer wieder tritt er für seine Ordensbrüder ein, die er durch sein Schweigen schützt, und kämpft für die Erhaltung kirchlicher Rechte.
1941 lernt Rösch Helmuth James Graf von Moltke kennen und führt wenig später Alfred Delp in den Kreisauer Kreis ein. Moltke erhofft sich von beiden Anregungen zur Überwindung konfessioneller Gegensätze, um die Neuordnungspläne für Deutschland auf eine breite christliche Grundlage zu stellen. Im Kreisauer Kreis beeinflusst Rösch viele konfessions- und kulturpolitische Überlegungen, kann den Mitgliedern aber auch Ratschläge für das Verhalten bei Verhaftungen und Verhören geben und wichtige Verbindungen zum katholischen Widerstand herstellen.
Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 gelingt es Rösch, sich zunächst dem Zugriff der Polizei zu entziehen. Seit September 1944 wird nach ihm gefahndet. Am 11. Januar 1945 umstellen Gestapo-Beamte sein Versteck und nehmen ihn fest. Er wird gemeinsam mit Johann Baptist Neumaier und Franz Stadler nach Berlin gebracht und am 13. Januar 1945 in das Zellengefängnis Lehrter Straße eingeliefert, wo er in den folgenden Monaten heimlich die geistliche Betreuung seiner katholischen Mithäftlinge übernimmt.
Augustin Rösch, der bei den Verhören schwer misshandelt wird, kann das Kriegsende im Berliner Gefängnis Lehrter Straße überleben, wo er kurz vor dem Einmarsch der sowjetischen Armee am 25. April 1945 entlassen wird.
Er kehrt nach München zurück und wird Landesdirektor der bayerischen Caritas und Mitglied des bayerischen Senats. Zudem engagiert er sich im „Hilfswerk 20. Juli 1944”.
Der Jesuitenprovinzial Pater Rösch, der mit uns in Haft war, hat in diesem Haus eine ausgebreitete, regelmäßige geistliche Versorgung der Katholiken möglich gemacht, mit Einschluß täglicher Messe und Absolution. Es ist nicht an mir zu erzählen, wie er diesen Dienst täglich und ohne Kenntnis der Gestapoleitung ausgeführt hat; aber ich habe seinem Eifer, sooft ich ihn beobachten konnte, die Bewunderung nicht versagt.
Hanns Lilje in seinen Erinnerungen über Augustin Rösch SJ
Quelle: Hanns Lilje, Im finstern Tal, Nürnberg 1947, S. 58.
Ein Posten führte mich in die Zelle, bei uns gab es nur Einzelzellen. Ich schaute sie mir genau an. Eine Pritsche, so etwas wie eine harte Seegrasmatratze ..., ein Tisch, ein lehnenloser Hocker, eine Waschschüssel ..., eine Eßschüssel, ein Wasserkrug, ein kleiner Spind: das war die Inneneinrichtung. Löffel, das einzige Eßbesteck, Handtuch/Wischtuch mußten draußen vor der Zellentür hängen ... .
Aus den Erinnerungen von Augustin Rösch SJ
Quelle: Augustin Rösch, Kampf gegen den Nationalsozialismus. Hrsg. von Roman Bleistein, Frankfurt am Main 1985, S. 51.








