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Gerhard Ritter

6. April 1888, Bad Sooden/Werra
1. Juli 1967, Freiburg im Breisgau

Gerhard Ritter wächst in einem evan­gel­ischen Pfarr­haus auf. Sein Studium der Geschichte und Germa­nistik beendet er mit einer Promo­tion und ist ab 1912 als Gym­nasial­lehrer in Magde­burg tätig. 1914 nimmt er als Frei­williger am Ersten Welt­krieg teil. Er heiratet 1919 Gertrud Reich­hardt, aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. Seit seiner Habi­litation in Heidel­berg 1921 ist er dort als Dozent tätig, bis er 1924 einem Ruf nach Ham­burg und 1925 an die Univer­sität Frei­burg folgt. 

Nach der Macht­über­nah­me Hitlers billigt der natio­nal­liberale Monar­chist zunächst dessen Außen­politik, steht als Christ jedoch bald in Oppo­sition zum neuen Regime. Er schließt sich der Beken­nenden Kirche an und ist einer der Profes­soren, um die sich seit 1938 der Frei­burger Kreis gruppiert. Durch diesen unter­hält er auch Kon­takte zu Carl Goerdeler und ist zeitweilig als Kultus­minister für dessen Schatten­kabinett im Gespräch. 

Nach dem 20. Juli 1944 wird Gerhard Ritter am 2. No­vember von der Gesta­po fest­genom­men. Nach einigen Ver­hören in Frei­burg wird er in das Gefäng­nis des Kon­zen­trations­lagers Ravens­brück ein­ge­liefert. Am 16. Janu­ar 1945 ver­legt man ihn dann in die Gesta­po-Abtei­lung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3, aus der er erst am 25. April ent­lassen wird. 

Nach 1945 enga­giert sich Gerhard Ritter als Vor­sit­zender im Deutschen Histo­riker­verband bei der Neu­kon­sti­tuierung des Faches und in der Beset­zung der Lehr­stühle in West­deutsch­land. Er publi­ziert zahl­reiche Studien zur Geschichte des Wider­stands gegen den National­sozialismus, unter anderem auch eine Biografie über Carl Goerdeler.

[Gerhard] Ritter ist jetzt auch hier, ich sah ihn auch beim Spazier­gang kurz. Er hat noch keinen Haftbefehl und ist ganz hoffnungs­voll. Man hat ihn Goerdeler gegen­übergestellt; wenn ich recht verstanden habe, war es letzten Donnerstag. Goerdeler hat nach Ritters Meinung sehr entlastend für Ritter ausgesagt.

Constantin von Dietze über Gerhard Ritter in einem Kassiber vom 23. Januar 1945

Quelle: Archiv für Christlich-Demokratische Politik, I-345, B-17

Sehr wohltätig ist die Möglichkeit, die ich lange Zeit hindurch hatte, mit D[ietze] in einen Briefverkehr als Zellen­nachbar zu treten. Schade um die daraus erwachsene einzig­artige Korres­pondenz, dass sie jeweils vernichtet w[erden] musste! Jetzt sind nur noch gelegent­liche Grüße möglich, aber doch auch gewisse Mitteilungen. Rührend ist der Eifer, mit dem D[ietze] und B[auer] mir Lebens­mittel schickten. … Überhaupt herrscht hier eine großartige Kamerad­schaft.

Gerhard Ritter über die Korrespondenz mit Constantin von Dietze im Zellengefängnis, 8. April 1945

Quelle: Klaus Schwabe/Rolf Reichhardt (Hg.), Gerhard Ritter. Ein politischer Historiker in seinen Briefen, Schriften des Bundesarchivs 33, Boppard 1984, S. 401.

Portrait: Gerhard RitterGerhard Ritter, 1934