Gerhard Ritter
1. Juli 1967, Freiburg im Breisgau
Gerhard Ritter wächst in einem evangelischen Pfarrhaus auf. Sein Studium der Geschichte und Germanistik beendet er mit einer Promotion und ist ab 1912 als Gymnasiallehrer in Magdeburg tätig. 1914 nimmt er als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil. Er heiratet 1919 Gertrud Reichhardt, aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. Seit seiner Habilitation in Heidelberg 1921 ist er dort als Dozent tätig, bis er 1924 einem Ruf nach Hamburg und 1925 an die Universität Freiburg folgt.
Nach der Machtübernahme Hitlers billigt der nationalliberale Monarchist zunächst dessen Außenpolitik, steht als Christ jedoch bald in Opposition zum neuen Regime. Er schließt sich der Bekennenden Kirche an und ist einer der Professoren, um die sich seit 1938 der Freiburger Kreis gruppiert. Durch diesen unterhält er auch Kontakte zu Carl Goerdeler und ist zeitweilig als Kultusminister für dessen Schattenkabinett im Gespräch.
Nach dem 20. Juli 1944 wird Gerhard Ritter am 2. November von der Gestapo festgenommen. Nach einigen Verhören in Freiburg wird er in das Gefängnis des Konzentrationslagers Ravensbrück eingeliefert. Am 16. Januar 1945 verlegt man ihn dann in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3, aus der er erst am 25. April entlassen wird.
Nach 1945 engagiert sich Gerhard Ritter als Vorsitzender im Deutschen Historikerverband bei der Neukonstituierung des Faches und in der Besetzung der Lehrstühle in Westdeutschland. Er publiziert zahlreiche Studien zur Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, unter anderem auch eine Biografie über Carl Goerdeler.
[Gerhard] Ritter ist jetzt auch hier, ich sah ihn auch beim Spaziergang kurz. Er hat noch keinen Haftbefehl und ist ganz hoffnungsvoll. Man hat ihn Goerdeler gegenübergestellt; wenn ich recht verstanden habe, war es letzten Donnerstag. Goerdeler hat nach Ritters Meinung sehr entlastend für Ritter ausgesagt.
Constantin von Dietze über Gerhard Ritter in einem Kassiber vom 23. Januar 1945
Quelle: Archiv für Christlich-Demokratische Politik, I-345, B-17
Sehr wohltätig ist die Möglichkeit, die ich lange Zeit hindurch hatte, mit D[ietze] in einen Briefverkehr als Zellennachbar zu treten. Schade um die daraus erwachsene einzigartige Korrespondenz, dass sie jeweils vernichtet w[erden] musste! Jetzt sind nur noch gelegentliche Grüße möglich, aber doch auch gewisse Mitteilungen. Rührend ist der Eifer, mit dem D[ietze] und B[auer] mir Lebensmittel schickten. … Überhaupt herrscht hier eine großartige Kameradschaft.
Gerhard Ritter über die Korrespondenz mit Constantin von Dietze im Zellengefängnis, 8. April 1945
Quelle: Klaus Schwabe/Rolf Reichhardt (Hg.), Gerhard Ritter. Ein politischer Historiker in seinen Briefen, Schriften des Bundesarchivs 33, Boppard 1984, S. 401.


