Hermann von Ritgen
31. Januar 1956, Gefangenenlager Vladimir (UdSSR)
Hermann von Ritgen studiert Staats- und Rechtswissenschaften und ist als Schriftsteller und Journalist tätig. Bereits in den 1920er Jahren sympathisiert er mit dem Nationalsozialismus, tritt jedoch erst 1933 in die NSDAP ein. Ab 1933 arbeitet er für die Nachrichtenagentur „Deutsches Nachrichtenbüro” (DNB) und wird 1934 Korrespondent in Schweden und dann in Wien. Ab 1936 ist er für das „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda” tätig und wird Pressebeirat an der Deutschen Gesandtschaft in Bukarest.
Im März 1939 wird Hermann von Ritgen an die Gesandtschaft in Kairo versetzt. Nachdem im Herbst 1939 die Gestapo gegen ihn ermittelt, wird sein Vertrag nicht verlängert. Am 1. Dezember 1939 tritt er jedoch in den Dienst des Auswärtigen Amtes und geht als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter erneut an die Deutsche Gesandtschaft in Bukarest. Er pflegt enge Kontakte zu rumänischen Regierungskreisen, insbesondere zu Außenminister Mihai Antonescu.
Am 13. Juni 1944 wird Hermann von Ritgen, dem „Landesverrat” und „Begünstigung” von Jüdinnen und Juden vorgeworfen wird, in Bukarest vom deutschen Polizeiattaché festgenommen, nach Berlin gebracht und in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert. Obwohl die Ermittlungen gegen ihn ergebnislos verlaufen, bleibt er in Haft und wird Anfang Februar 1945 in das KZ Sachsenhausen verlegt. Während eines Evakuierungsmarsches der KZ-Häftlinge kann er entkommen.
Ende 1945 wird er von der sowjetischen Geheimpolizei in die Sowjetunion verschleppt und im Lager Vladimir bei Moskau inhaftiert, wo er am 31. Januar 1956 stirbt.
Hermann von Ritgen hat mit dem 20. Juli direkt nichts zu tun. Er wird aber weiter in Haft bleiben, da er sich im Gefängnis sehr schlecht aufgeführt und versucht hat, durch Kassiber Verbindung zu Mitgefangenen aufzunehmen.
Der stellvertretende Leiter der „Sonderkommission 20. Juli 1944” in einer Mitteilung an das Auswärtige Amt über den inhaftierten Hermann von Ritgen vom 24. August 1944
Quelle: Politisches Archiv des Auswärtigen Amts, R 100740
