Ernst Riebes
12. August 1946, Schwerin
Ernst Riebes studiert mit seiner Jugendfreundin Charlotte Salecker Medizin in Freiburg, anschließend arbeiten beide am Universitätsklinikum in Genf und heiraten 1910. Seit August 1914 zum Kriegsdienst einberufen, wird Ernst Riebes 1916 wegen eines Lungenleidens aus der Armee entlassen und tritt in die Hautarztpraxis seiner Frau in Königsberg ein. In den 1920er Jahren arbeitet er auch am Städtischen Krankenhaus.
Während des Krieges gehört Ernst Riebes einem Kreis von Hitlergegnern in Königsberg an, die mit Carl Goerdeler in enger Verbindung stehen. Anfang 1945 wird die Gestapo auf den Kontakt aufmerksam und Ernst Riebes am 5. Januar 1945 festgenommen, nach Berlin gebracht und im Zellengefängnis Lehrter Straße 3 inhaftiert.
Am 20. Februar 1945 wird er ins KZ Sachsenhausen überführt, wo er als Häftlingsarzt eingesetzt wird und versucht, Mithäftlingen aus der Lehrter Straße beizustehen. Während eines Evakuierungsmarsches aus dem KZ hilft er seinem Freund Victor Caillé, diesen zu überleben. Am 1. Mai 1945 werden die verbliebenen Häftlinge bei Schwerin von US-Truppen befreit.
In Schwerin übernimmt Ernst Riebes die Praxis eines Hautarztes und wird dort am 12. August 1946 von einem Zivilwagen der sowjetischen Besatzungsmacht angefahren und erliegt seinen Verletzungen.
Über 30 bis 50 Meter durfte man nicht zurück bleiben. Sonst wurde man von den SS Leuten mit Maschinenpistolen umgelegt. ... Abteilungen, die viele entkräftete Leute hatten, haben natürlich stärkere Abgänge gehabt als z.B. meine Abteilung, in der eine grössere Anzahl jüngere Kerls waren ... . Ausserdem sorgte in meiner Abteilung in vorbildlicher Weise mein leider später in Schwerin verunglückter Freund Dr. Riebes, der sich als Arzt der SS gegenüber doch einige Freiheiten leisten konnte, für Marschkranke.
Victor Caillé an Walter Hammer über den Todesmarsch aus dem KZ Sachsenhausen und die Rolle von Ernst Riebes, 15. Juni 1954
Quelle: Institut für Zeitgeschichte, ED 106/70-175


