Josef Reither
30. April 1950, Tulln
Der Bauernsohn Josef Reither steht als Exponent der österreichischen Arbeiter- und Bauernschaft in Opposition zum Nationalsozialismus. Von 1912 bis 1924 Bürgermeister in Langenrohr, nimmt er zentrale Funktionen in bäuerlichen Interessensverbänden wahr und ist ab 1925 Präsident der Landwirtschaftskammer. 1934/1935 ist er Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft. Von Oktober 1935 bis zum 12. März 1938, dem Tag des Einmarsches deutscher Truppen in Österreich, ist der christlich-soziale Politiker Mitglied des Länderrates und des Bundestages.
Bereits einen Tag nach dem „Anschluss” Österreichs wird Reither festgenommen, in die Konzentrationslager Dachau und Flossenbürg verschleppt und dort bis Juli 1941 inhaftiert. Für den Staatsstreich im Juli 1944 ist Reither von den Verschwörern als Politischer Unterbeauftragter im Wehrkreis XVII (Wien) vorgesehen.
Zwei Tage nach dem gescheiterten Umsturzversuch wird Reither in Wien festgenommen und in den Zellenbau des Konzentrationslagers Ravensbrück gebracht. Am 15. Januar 1945 wird er in das Berliner Zellengefängnis Lehter Straße 3 überstellt, wo er bis zum 22. April inhaftiert ist.
Von der Haft geschwächt kann er erst nach einem Krankenhausaufenthalt im Juli 1945 nach Österreich zurückkehren. Dort übernimmt er erneut das Amt des Landeshauptmanns von Niederösterreich und des Obmanns des niederösterreichischen Bauernbundes.
Vielen Dank für all Ihre Liebesgaben, die Sie mir geschickt haben, der liebe Gott möge es Ihnen reichlich vergelten und möge mir Gelegenheit geben, dieselben mit guten Prozenten zurückzugeben. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Ihnen Ihr Urteil aufgehoben wird, um von diesen quälenden Sorgen befreit zu werden.
Josef Reither in einem Brief an den zum Tode verurteilten Andreas Hermes, 18. April 1945
Quelle: Josef Reither Museum Langenohr








