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Josef Reither

26. Juni 1880, Langenrohr
30. April 1950, Tulln

Der Bauern­sohn Josef Reither steht als Exponent der öster­reichi­schen Arbeiter- und Bauern­schaft in Oppo­sition zum National­sozia­lis­mus. Von 1912 bis 1924 Bürger­meister in Langen­rohr, nimmt er zentrale Funk­tionen in bäuer­lichen Inter­essens­verbän­den wahr und ist ab 1925 Präsident der Land­wirt­schafts­kammer. 1934/1935 ist er Bundes­minis­ter für Land- und Forst­wirtschaft. Von Okto­ber 1935 bis zum 12. März 1938, dem Tag des Ein­marsches deutscher Trup­pen in Öster­reich, ist der christ­lich-soziale Politiker Mit­glied des Län­der­rates und des Bundes­tages. 

Bereits einen Tag nach dem „An­schluss” Öster­reichs wird Reither fest­genom­men, in die Konzen­trations­lager Dachau und Flossen­bürg ver­schleppt und dort bis Juli 1941 inhaftiert. Für den Staats­streich im Juli 1944 ist Reither von den Ver­schwörern als Politi­scher Unter­beauf­tragter im Wehr­kreis XVII (Wien) vor­gesehen. 

Zwei Tage nach dem geschei­terten Um­sturz­versuch wird Reither in Wien fest­genom­men und in den Zellen­bau des Konzen­trations­lagers Ravens­brück ge­bracht. Am 15. Ja­nuar 1945 wird er in das Ber­liner Zellen­gefäng­nis Leh­ter Straße 3 über­stellt, wo er bis zum 22. April inhaf­tiert ist. 

Von der Haft geschwächt kann er erst nach einem Kran­ken­haus­aufent­halt im Juli 1945 nach Öster­reich zurück­kehren. Dort über­nimmt er erneut das Amt des Landes­haupt­manns von Nieder­öster­reich und des Ob­manns des nieder­öster­reichischen Bauern­bundes.

Vielen Dank für all Ihre Liebes­gaben, die Sie mir geschickt haben, der liebe Gott möge es Ihnen reichlich vergelten und möge mir Gelegen­heit geben, dieselben mit guten Prozenten zurück­zugeben. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Ihnen Ihr Urteil aufge­hoben wird, um von diesen quälenden Sorgen befreit zu werden.

Josef Reither in einem Brief an den zum Tode verurteilten Andreas Hermes, 18. April 1945

Quelle: Josef Reither Museum Langenohr

Portrait: Josef ReitherJosef Reither