Arthur Rackwitz
16. August 1980, Berlin (West)
Arthur Rackwitz wird nach seinem Studium der Evangelischen Theologie 1920 ordiniert und ist zunächst als Pfarrer in Thüringen und ab 1929 in der Melanchthonkirche in Berlin-Neukölln tätig. 1926 tritt er in den neugegründeten „Bund der Religiösen Sozialisten Deutschlands”, in dem er in den folgenden Jahren eine führende Position innehat, und in die SPD ein.
Früh bezieht er gegen den erstarkenden Nationalsozialismus Stellung und unterstützt nach 1933 politisch Verfolgte. Ab 1935 gehört er der Bekennenden Kirche an, 1936 tritt er dem Pfarrernotbund bei. Wiederholt ist er Repressalien ausgesetzt und wird 1937 und 1939 für kurze Zeit inhaftiert. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 bringt er zeitweise Ernst von Harnack in seiner Wohnung unter, den er aus der gemeinsamen Arbeit im Kreis der Religiösen Sozialisten kennt und der aufgrund seiner Verbindungen zu den Verschwörern eine Verhaftung fürchten muss.
Am 29. September 1944 werden Arthur Rackwitz und Ernst von Harnack festgenommen und in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 gebracht. Rackwitz kann in den folgenden Vernehmungen durch die Gestapo keine Verbindung zu den Verschwörern nachgewiesen werden. Er wird jedoch in „Schutzhaft” genommen und am 1. Dezember 1944 in das KZ Dachau eingeliefert, wo er das Kriegsende erleben kann.
Er engagiert sich in den folgenden Jahren erneut in der Arbeitsgemeinschaft Religiöser Sozialisten und gehört bis 1962 der Provinzialsynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg an.
Und wir beide wurden also abgeführt, [Ernst von] Harnack mit auf den Rücken gefesselten Händen, ich nicht; in demselben Auto. Dann ging es zunächst noch in die Oranienburger Straße, da wurden irgendwelche Haftbefehle wahrscheinlich nachträglich ausgefüllt; dann ging es wieder einmal nach Moabit, an meinen alten Aufenthaltsort da! Und da habe ich gesessen vom 29. September bis 1. Dezember 1944. Oftmals verhört, in gemeiner Weise …
Arthur Rackwitz über die Festnahme von ihm und Ernst von Harnack und die Haft im Zellengefängnis
Quelle: Olaf Meyer (Hrsg.), „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit ...”. Arthur Rackwitz zum Gedächtnis, Berlin 1981, S. 117.
