Cuno Raabe
3. Mai 1971, Gersfeld/Rhön
Cuno Raabe tritt bereits früh der Zentrumspartei bei und entscheidet sich nach einem rechts- und staatswissenschaftlichen Studium für eine Tätigkeit in der Kommunalverwaltung. 1920 wird er Stadtrat in Königsberg und lernt in dieser Zeit Carl Goerdeler kennen, mit dem er eng zusammenarbeitet. 1926 geht er nach Hagen (Westfalen), wo er 1929 zum Oberbürgermeister gewählt wird. Schon vor 1933 nimmt er entschieden gegen den Nationalsozialismus Stellung.
Im April 1933 wird er aus dem Amt entlassen und findet erst 1938 eine Anstellung in der Privatwirtschaft. Mehrfach erörtert er mit Carl Goerdeler verkehrspolitische Probleme der Neuordnung. Raabe ist für die Zeit nach einem Umsturz als Verkehrsminister vorgesehen.
Nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler im Juli 1944 wird Raabe am 1. November 1944 in Königsberg festgenommen und am folgenden Tag in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 in Berlin eingeliefert. Wiederholt wird er von der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße 8 verhört. Da bei einem Bombenangriff auf Berlin die Anklageschrift verbrennt, kommt es nicht zu dem geplanten Prozess gegen Raabe.
Cuno Raabe wird am 21. April 1945 formal zur Justiz überstellt und vier Tage später aus der Haft entlassen. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt kehrt er in seine hessische Heimat zurück, wo er zu den Mitbegründern der CDU gehört. Ab 1946 ist Raabe zehn Jahre lang Oberbürgermeister von Fulda.
Als wir … am 24. April 1945 in einer Großzelle des unteren Stockwerks mit 17 Häftlingen zusammen waren, neun Katholiken aus der Hand des Jesuiten-Paters Rösch den Leib des Herrn empfingen und der evangelische Pfarrer Bethge den acht Evangelischen das Brot des Herrn reichte, war in uns allen die Erkenntnis, niemals mehr im politischen Leben aus konfessionellen Gründen gegeneinander zu sein, sondern politischen Zusammenschluß in einer Gemeinschaft der Konfessionen zu finden.
Bericht von Cuno Raabe über die letzten Tage im Zellengefängnis Lehrter Straße 3
Quelle: Brigitte Wiest-Raabe, Dr. Cuno Raabe im Widerstand, in: Fuldaer Geschichtsblätter 60 (1984), S. 174-200.





