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Cuno Raabe

5. Mai 1888, Fulda
3. Mai 1971, Gersfeld/Rhön

Cuno Raabe tritt bereits früh der Zentrums­partei bei und entscheidet sich nach einem rechts- und staats­wissen­schaftlichen Studium für eine Tätig­keit in der Kommunal­verwaltung. 1920 wird er Stadtrat in Königs­berg und lernt in dieser Zeit Carl Goerdeler kennen, mit dem er eng zusammen­arbeitet. 1926 geht er nach Hagen (Westfalen), wo er 1929 zum Ober­bürger­meister gewählt wird. Schon vor 1933 nimmt er ent­schieden gegen den National­sozialismus Stellung. 

Im April 1933 wird er aus dem Amt ent­lassen und findet erst 1938 eine Anstellung in der Privat­wirtschaft. Mehr­fach erörtert er mit Carl Goerdeler verkehrs­politi­sche Probleme der Neu­ordnung. Raabe ist für die Zeit nach einem Um­sturz als Verkehrs­minister vorgesehen. 

Nach dem Scheitern des Atten­tats auf Hitler im Juli 1944 wird Raabe am 1. November 1944 in Königs­berg festge­nommen und am folgen­den Tag in die Gestapo-Abteilung des Zellen­gefängnisses Lehrter Straße 3 in Berlin einge­liefert. Wiederholt wird er von der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße 8 verhört. Da bei einem Bomben­angriff auf Berlin die Anklage­schrift verbrennt, kommt es nicht zu dem geplanten Prozess gegen Raabe.

Cuno Raabe wird am 21. April 1945 formal zur Justiz über­stellt und vier Tage später aus der Haft ent­lassen. Nach einem längeren Kranken­haus­aufenthalt kehrt er in seine hessische Heimat zurück, wo er zu den Mit­begrün­dern der CDU gehört. Ab 1946 ist Raabe zehn Jahre lang Ober­bürger­meister von Fulda.

Als wir … am 24. April 1945 in einer Großzelle des unteren Stock­werks mit 17 Häft­lingen zusammen waren, neun Katholiken aus der Hand des Jesuiten-Paters Rösch den Leib des Herrn empfingen und der evangelische Pfarrer Bethge den acht Evangelischen das Brot des Herrn reichte, war in uns allen die Erkenntnis, niemals mehr im politischen Leben aus konfes­sionellen Gründen gegen­einander zu sein, sondern politischen Zusammen­schluß in einer Gemein­schaft der Konfessionen zu finden.

Bericht von Cuno Raabe über die letzten Tage im Zellengefängnis Lehrter Straße 3

Quelle: Brigitte Wiest-Raabe, Dr. Cuno Raabe im Widerstand, in: Fuldaer Geschichtsblätter 60 (1984), S. 174-200.

Portrait: Cuno RaabeCuno Raabe bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Fulda, 1962