Jesco von Puttkamer
6. September 1947, Berlin
Der Landwirt Jesco von Puttkamer steht ab Sommer 1939 in Verbindung mit dem früheren Oberbürgermeister von Leipzig Carl Goerdeler. Er stimmt mit ihm überein, dass nur ein rechtzeitiger Sturz Hitlers und des NS-Regimes Deutschland vor einer totalen Niederlage bewahren könne und maßgebende militärische Kreise zum Handeln bewegt werden müssten. Bis zur Jahreswende 1942/43 ist Puttkamer an mehreren Besprechungen mit Goerdeler beteiligt, in denen über die politische Neuorganisation nach einem Staatsstreich und Verhandlungsmöglichkeiten mit den Alliierten gesprochen wird.
Nach dem gescheiterten Umsturzversuch wird Jesco von Puttkamer am 6. Dezember 1945 festgenommen, in die Gestapo-Sonderabteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße eingeliefert und mehrfach verhört. Eine Verhandlung vor dem „Volksgerichtshof” findet durch den Kriegsverlauf nicht mehr statt.
Kurz vor der Befreiung durch die Rote Armee wird er mit anderen Häftlingen formal der Justizabteilung des Gefängnisses übergeben und am 25. April 1945 entlassen. Jesco von Puttkamer nimmt sich am 6. September 1947 in Berlin das Leben.
Es ist aber nur gelungen, mir die Beziehungen zu [Carl] Goerdeler nachzuweisen, da diejenigen meiner Freunde, die mich hätten belasten können, bereits hingerichtet waren. Dr. Goerdeler hatte anständigerweise ausgesagt, daß er mich im Januar 1943 zum letzten Male gesehen hätte, anschliessend wären unsere Beziehungen eingeschlafen. Diese Aussage und die Bekundungen des mit mir verhafteten Herrn von Zitzewitz haben mich vor dem Strang bewahrt.
Jesco von Puttkamer über die Verhöre und die Aussagen seiner politischen Freunde während der Haft in der Lehrter Straße, 10. Juli 1945
Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 5237





