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Hermann Pünder

1. April 1888, Trier
3. Oktober 1976, Fulda

Der Jurist Hermann Pünder wird 1919 Regie­rungs­rat im Reichs­finanz­minis­terium und leitet ab 1921 das Minister­büro. 1925 wird Pünder, der der Zentrums­partei angehört, in die Reichs­kanzlei berufen und steht ihr ab 1926 als Staats­sekretär unter vier ver­schie­denen Reichs­kanzlern vor. 1932 über­nimmt er den Posten des Regie­rungs­präsi­denten in Münster. 

Im Sommer 1933 ver­liert Pünder sein Amt und be­wirt­schaftet in den folgenden Jahren einen Bauern­hof am Rand von Münster. Er gründet eine Gesell­schaft zur Erdöl­gewin­nung, die ihm die Mög­lich­keit bietet, seine poli­tischen Kontakte auf­recht­zuerhalten. Mit Beginn des Zweiten Welt­krieges wird Hermann Pünder zu Ver­wa­ltungs­tätig­keiten im Stab des Wehr­kreis­kom­mandos VI in Münster ein­gezogen und steht in Kon­takt zu Carl Goerdeler, der ihn in seine poli­tischen Planungen ein­weiht. 

Am 21. Juli 1944 wird Pünder in Münster fest­genom­men, jedoch nach Ver­hören zunächst wieder entlassen. Drei Wochen später wird er erneut in Haft genommen und Ende August nach Berlin in das „Haus­gefäng­nis” der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße 8 gebracht. Am 1. Septem­ber wird er in das Zellen­gefängnis Lehrter Straße 3 einge­liefert. Seine Schwester Marianne ver­sorgt ihn in den folgenden Monaten mit Lebens­mitteln, hält durch Kassiber die Kommu­nikation mit ihm aufrecht und bemüht sich um seine Ver­tei­digung.

Hermann Pünder wird am 21. Dezember vom „Volks­ge­richts­hof” frei­ge­sprochen. Er bleibt jedoch in Haft, wird Anfang 1945 in das KZ Ravens­brück ver­schleppt und im Februar 1945 in das KZ Buchen­wald ve­rlegt. Für ihn beginnt in den folgen­den Monaten gemein­sam mit weiteren „Sippen”- und Son­der­häft­lingen eine Odyssee durch ver­schie­dene Kon­zen­trations­lager und Haft­anstalten, die mit der Befrei­ung am Pragser Wildsee Ende April 1945 endet. 

1947 wird Pünder Ober­direktor des Wirt­schafts­rates der Bizone. 1949 wird der CDU-Politiker in den Deutschen Bundes­tag gewählt.

Nach kurzer Aufnahme der Personalien musste ich in dem für Gefäng­nisse üblichen Zentral­bau von eisernen Treppen und drei Etagen hoch­steigen, wo in der Einzelzelle 351 allsogleich die Riegel hinter mir und meinen Habselig­keiten klirrend ins Schloß fielen. Mit der Verpflegung hatte ich gleich auch in der Lehrter Straße Pech. Infolge des Umtrans­portes und des vielen Wartens war hier die Mittags­stunde schon verstrichen, und eine Möglichkeit, sich zu melden, gab es nicht, da die Klappe in der Zellen­tür nur von außen geöffnet werden konnte. Als sie sich von unsicht­barer Hand endlich am späten Nach­mittag auftat, gab es als Abend­essen einen derben Kanten Komißbrot mit einem lieb­losen Klecks Rüben­kraut darauf und einen Napf Kamillen­tee, mit Sacharin gesüßt.

Hermann Pünder in seinen Lebenserinnerungen über die Einlieferung in das Zellengefängnis Lehrter Straße

Quelle: Hermann Pünder, Von Preußen nach Europa. Lebenserinnerungen, Stuttgart 1968, S. 151.

Diese schwester­lichen Kassiber erwiesen sich als außer­ordentlich wesentlich für meine Vertei­digung, zumal sich jetzt auch mein Bruder Werner in diese Verbindung einschal­ten konnte. Er war ange­sehener Anwalt in Berlin und besaß dort als Oberst­leutnant der Reserve im Ober­kommando der Wehr­macht vielerlei Verbin­dungen, so daß er mir manchen wertvollen Rat geben konnte. So erfuhr ich schon bald, daß mein lieber Kollege Dr. Goerdeler inzwischen nun doch leider gefasst worden war. Ich durfte also bei Verneh­mungen unsere alten Beziehungen nicht leugnen.

Hermann Pünder in seinen Lebenserinnerungen über die Hilfeleistungen seiner Schwester Marianne Pünder, die ihn während seiner Haft in der Lehrter Straße mit Wäsche und Lebensmitteln sowie Informationen von draußen versorgt

Quelle: Hermann Pünder, Von Preußen nach Europa. Lebenserinnerungen, Stuttgart 1968, S. 156.

Portrait: Hermann PünderHermann Pünder