Oscar Graf Pilati von Thassul zu Daxberg
22. Februar 1972, Hamburg
Der aus Dresden stammende Fabrikant Oscar Graf Pilati dient seit Anfang 1941 als persönlicher Adjutant des Generals Carl-Heinrich von Stülpnagel, dem Militärbefehlshaber für Frankreich.
Seit März 1943 ist er in die Umsturzplanungen eingeweiht, ab Mitte 1943 fungiert er als Verbindungsmann zwischen den Verschwörern im Oberkommando des Heeres in Berlin und Stülpnagel. Zur Mitwirkung hatte ihn Oberst i.G. Hans (Johannes) Beutler aufgefordert, mit dem er seit dem Dienst im Dresdener Kadettenkorps befreundet ist. Beutler stellt sich Stülpnagel für Sonderaufträge zur Verfügung und fällt bei Krakau.
Oscar Graf Pilati wird am 18. Februar 1945 in Hamburg von der Gestapo festgenommen und in das Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel eingeliefert. Am 28. Februar 1945 wird er auf Befehl des Reichsführers SS in das Zellengefängnis Lehrter Straße überführt.
Noch am 15. April wird ihm eröffnet, dass sein Fall in den nächsten Tagen vor dem „Volksgerichtshof” verhandelt werden soll, wozu es jedoch nicht mehr kommt. Am 25. April 1945 wird er mit anderen politischen Häftlingen aus dem Zellengefängnis entlassen.
Nach Kriegsende lebt Oscar Graf Pilati mit seiner Familie bis zu seinem Tod 1972 in Hamburg.
Bereits am zweiten Tag wurde mir von dem diensttuenden Kommissar im Büro, in das ich gefesselt aus meiner Zelle geführt wurde, eröffnet, dass ich unter der Anklage des Hoch- und Landesverrates im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 stehe. In den darauffolgenden Tagen gelang es mir trotz schärfster Bewachung …, dass ich auf den Wegen zu den Vernehmungen doch Verbindung mit anderen Häftlingen herstellen konnte. Im besonderen interessierten mich natürlich die Herren, mit denen ich während meiner illegalen Tätigkeit vor unserer Verhaftung zusammen gearbeitet hatte.
Oscar Graf Pilati über die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße, 17. Oktober 1946
Quelle: Bundesarchiv, B 162/3232, Bl. 21ff.






