Gustav Noske
30. November 1946, Hannover
Gustav Noske übt zwischen 1919 und 1920 in der sozialdemokratischen Regierung das Amt des Reichswehrminister aus, muss aber nach dem Kapp-Putsch auf Druck der eigenen Partei zurücktreten. Danach wirkt er bis 1933 als Oberpräsident der preußischen Provinz Hannover. Während der NS-Zeit hält er Kontakt zu früheren Sozialdemokraten und stellt sich 1943 im Fall eines gelungenen Staatsstreiches als politischer Beauftragter für den Wehrkreis IX (Kassel) zur Verfügung.
Gustav Noske wird am 22. Juli 1944 festgenommen. Zunächst ist er im Lager Fürstenberg/Havel, das zum KZ Ravensbrück gehört, interniert. Obwohl die Anklageerhebung bereits im November stattfindet, kommt es nicht zur Verhandlung vor dem „Volksgerichtshof“.
Am 25. April 1945 wird Gustav Noske, nachdem er mit einer Delegation von Mitgefangenen beim Direktor des Gefängnisses um die Entlassung der politischen Häftlinge ersucht hat, aus dem Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße 3 freigelassen.
Vier sollten zum Regierungsrat gehen und die Befreiung erwirken. Gewählt waren der Reihenfolge nach: Der bereits 77jährige Reichswehrminister Noske, der Jesuitenprovinzial Rösch …, der durch das Volksgericht zum Tode verurteilte Minister Hermes, Freiherr von Zitzewitz. … Er empfing uns, wenn ich nicht irre, vor seinen Zimmern. Zuerst sprach Minister Noske. Er führte aus, daß die Russen so nahe seien, daß das Gefängnis jederzeit erobert werden könne, man nicht wisse, was dabei und hernach sich ereignen könne, in der Nacht wir aber von der Gestapo ermordet würden.
Augustin Rösch über die Häftlingsabordnung, welche am 25. April 1945 bei Regierungsrat Berg für ihre Freilassung vorspricht
Quelle: Augustin Rösch, Kampf gegen den Nationalsozialismus, hrsg. von Roman Bleistein, Frankfurt am Main 1985, S. 328.
Am 25.4.1945 nachmittags 4 Uhr erzwangen die letzten 46 vom Gefängnisvorsteher ihre Entlassung ... . Die Befreiung war im wesentlichen zu danken der sehr energischen Initiative des Reichsministers a.D. Gustav Noske, des Ministerialdirektors Dr. Ernst, des Herrn von Zitzewitz-Muttrin und des Reichsministers a.D. Dr. Hermes.
Jesco von Puttkamer über die Entlassung aus der Haft am 25. April 1945
Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 5237








