Ludwig Münz
Nach Mai 1945, Sowjetisches Speziallager Nr. 4 Landsberg
Der Jurist Ludwig Münz wird 1930 von Adam Stegerwald als Pressereferent ins Reichsarbeitsministerium berufen. Politisch steht Ludwig Münz der katholischen Arbeiterbewegung nahe und ist bis zu ihrer Auflösung 1933 Mitglied der deutschen Zentrumspartei.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kann er seine Tätigkeit im Ministerium fortsetzen, da Reichsarbeitsminister Franz Seldte seine fachlichen Kompetenzen schätzt. Ludwig Münz, der seit 1927 mit Auguste Brüning verheiratet ist und die wie er den Nationalsozialismus ablehnt, nutzt seine Arbeit im Ministerium zur Weitergabe von Informationen an politische Freunde. Er hält engen Kontakt zu ehemaligen Angehörigen der katholischen Arbeiterbewegung sowie zu oppositionellen Kräften im Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht.
Im Juni 1944 nehmen Auguste und Ludwig Münz den flüchtigen Ludwig Gehre, der zum Kreis der Regimegegner im Amt Ausland/Abwehr gehört, in ihrem Haus in Kleinmachnow auf. Am 4. Oktober 1944 werden sie festgenommen. Ludwig Münz wird in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 und seine Frau in das Gerichtsgefängnis Kantstraße 79 eingeliefert. Ein für Mai 1945 geplanter Prozess vor dem „Volksgerichtshof” findet nicht mehr statt.
Am 25. April 1945 kommt Ludwig Münz aus der Haft frei. Kurz nach seiner Rückkehr nach Kleinmachnow, wird er von der sowjetischen Geheimpolizei abgeholt und erneut inhaftiert. Er stirbt im Speziallager Nr. 4 in Landsberg/Warthe an den Folgen einer Ruhrerkrankung.
Ludwig Münz wird am 26. Januar 1956 für tot erklärt, als Todesdatum wird der 31. Dezember 1945 festgelegt.
Während Dein erster Brief mir so viel Mut machte, bin ich ganz unglücklich über Deine letzten Notrufe. Die haben mich wieder sehr bittere Stunden am Tage und in der Nacht gekostet. Wenn Du den Mut sinken lässt, was soll ich denn dann machen? Die Selbstvorwürfe, die ich mir ständig mache, daß ich Dich in diese Lage gebracht habe, lassen mich dann an allem verzweifeln. ... Ich darf jetzt auch zusätzliche Lebensmittel erhalten. Von zu Hause werden sie mir nicht viel schicken können, weil Du nicht da bist.
Ludwig Münz in einem Brief vom 21. November 1944 an seine ebenfalls inhaftierte Ehefrau Auguste
Quelle: Niedersächsisches Staatsarchiv Osnabrück, Rep. 430 Dez 304, Akz. 2003/036
Im letzten Jahr meiner Gefangenschaft bis zu meiner Freilassung nach der Eroberung Berlins durch die Rote Armee im April 1945 war ich im Gefängnis Lehrter Str. 3 zur Arbeit als Stationswärter kommandiert. Hier wurde ich im Oktober 1944 mit dem früheren Beamten im Reichsarbeitsministerium, Dr. Ludwig Münz, bekannt ... Herrn Dr. Münz allein verdanke ich es, wenn ich im vergangenen Winter von einer schweren Grippe genesen und wieder auf die Beine gekommen bin. Das wäre sicherlich nicht möglich gewesen, wäre mir nicht von ihm in liebenswürdiger Weise, obwohl er selbst in kalter, ungeheizter Zelle saß, lange Wochen hindurch sein warmer Wintermantel zur Verfügung gestellt worden.
Theodor Baensch in einer eidesstattlichen Erklärung über seinen Mithäftling Ludwig Münz
Quelle: Niedersächsisches Staatsarchiv Osnabrück, Rep. 430 Dez 304, Akz. 2003/036


