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Ludwig Münz

20. Juli 1893, Frankfurt am Main
Nach Mai 1945, Sowjetisches Speziallager Nr. 4 Landsberg

Der Jurist Ludwig Münz wird 1930 von Adam Steger­wald als Presse­referent ins Reichs­arbeits­minis­terium be­rufen. Poli­tisch steht Ludwig Münz der katho­lischen Arbeiter­bewe­gung nahe und ist bis zu ihrer Aufl­ösung 1933 Mit­glied der deutschen Zen­trums­partei. 

Nach der Macht­über­nahme der Natio­nal­sozia­lis­ten kann er seine Tätig­keit im Minis­terium fort­setzen, da Reichs­arbeits­minister Franz Seldte seine fachlichen Kompe­tenzen schätzt. Ludwig Münz, der seit 1927 mit Auguste Brüning ver­hei­ratet ist und die wie er den Natio­nal­sozia­lis­mus ab­lehnt, nutzt seine Arbeit im Minis­terium zur Weiter­gabe von Infor­matio­nen an poli­tische Freun­de. Er hält engen Kon­takt zu ehe­maligen An­ge­hörigen der katho­lischen Arbeiter­bewe­gung sowie zu oppo­sitio­nellen Kräf­ten im Amt Aus­land/Abwehr im Ober­kom­man­do der Wehr­macht. 

Im Juni 1944 nehmen Auguste und Ludwig Münz den flüch­tigen Ludwig Gehre, der zum Kreis der Regime­gegner im Amt Aus­land/Abwehr gehört, in ihrem Haus in Klein­mach­now auf. Am 4. Oktober 1944 werden sie fest­ge­nom­men. Ludwig Münz wird in die Gesta­po-Abtei­lung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 und seine Frau in das Gerichts­ge­fäng­nis Kant­straße 79 ein­ge­liefert. Ein für Mai 1945 geplanter Pro­zess vor dem „Volks­ge­richts­hof” findet nicht mehr statt.

Am 25. April 1945 kommt Ludwig Münz aus der Haft frei. Kurz nach seiner Rück­kehr nach Klein­mach­now, wird er von der sowje­tischen Geheim­polizei abge­holt und erneut inhaf­tiert. Er stirbt im Spezial­lager Nr. 4 in Lands­berg/Warthe an den Folgen einer Ruhr­erkran­kung.

Ludwig Münz wird am 26. Januar 1956 für tot erklärt, als Todes­datum wird der 31. Dezem­ber 1945 festge­legt.

Während Dein erster Brief mir so viel Mut machte, bin ich ganz unglück­lich über Deine letzten Not­rufe. Die haben mich wieder sehr bittere Stunden am Tage und in der Nacht gekostet. Wenn Du den Mut sinken lässt, was soll ich denn dann machen? Die Selbst­vor­würfe, die ich mir ständig mache, daß ich Dich in diese Lage gebracht habe, lassen mich dann an allem ver­zweifeln. ... Ich darf jetzt auch zusätz­liche Lebens­mittel erhalten. Von zu Hause werden sie mir nicht viel schicken können, weil Du nicht da bist.

Ludwig Münz in einem Brief vom 21. November 1944 an seine ebenfalls inhaftierte Ehefrau Auguste

Quelle: Niedersächsisches Staatsarchiv Osnabrück, Rep. 430 Dez 304, Akz. 2003/036

Im letzten Jahr meiner Gefangen­schaft bis zu meiner Frei­lassung nach der Eroberung Berlins durch die Rote Armee im April 1945 war ich im Gefängnis Lehrter Str. 3 zur Arbeit als Stations­wärter kommandiert. Hier wurde ich im Oktober 1944 mit dem früheren Beamten im Reichs­arbeits­minis­terium, Dr. Ludwig Münz, bekannt ... Herrn Dr. Münz allein verdanke ich es, wenn ich im vergan­genen Winter von einer schweren Grippe genesen und wieder auf die Beine gekommen bin. Das wäre sicher­lich nicht mög­lich gewesen, wäre mir nicht von ihm in liebens­würdiger Weise, obwohl er selbst in kalter, unge­heizter Zelle saß, lange Wochen hindurch sein warmer Winter­mantel zur Verfügung gestellt worden.

Theodor Baensch in einer eidesstattlichen Erklärung über seinen Mithäftling Ludwig Münz

Quelle: Niedersächsisches Staatsarchiv Osnabrück, Rep. 430 Dez 304, Akz. 2003/036

Portrait: Ludwig MünzLudwig Münz