Hermann Moritz
25. April 1965, Berlin (West)
Hermann Moritz absolviert nach dem Besuch der Volksschule eine Schneiderlehre und ist seit 1909 als selbstständiger Schneidermeister tätig. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg führt er seine Schneiderwerkstatt in Berlin weiter.
Über Carl Bassen, der seit 1939 mit der Tochter von Hermann Moritz, Marie, verheiratet ist, lernt er den Hauptmann Ludwig Gehre kennen, der zum Widerstandskreis im Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht gehört. Gehre, der im März 1944 festgenommen worden ist, kann jedoch wenige Tage später fliehen und sich in den folgenden Monaten mit Hilfe eines breiten Kreises von Unterstützerinnen und Unterstützern verborgen halten. Um einer drohenden Festnahme zu entgehen, taucht im August 1944 auch Gehres Ehefrau Hanna unter.
Ludwig und Hanna Gehre werden mehrfach vom Ehepaar Bassen versteckt. Auch Hermann Moritz erklärt sich bereit, beide zu unterstützen und bietet ihnen zeitweise Unterkunft. Nach der Festnahme Ludwig Gehres am 8. November 1944, der unter Folter die Namen seiner Helferinnen und Helfer preisgibt, werden am 11. November zunächst Carl Bassen, am 14. Dezember auch Hermann Moritz und seine Tochter Marie in Haft genommen.
Hermann Moritz wird wie auch sein Schwiegersohn in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert. Während seiner Haft ist Moritz in der Schneiderwerkstatt des Gefängnisses eingesetzt, wo er Bekleidungsstücke für die SS anfertigen muss. Zu einem Verfahren gegen Hermann Moritz kommt es aufgrund der Kriegsentwicklung nicht mehr.
Er wird am 23. April 1945 aus der Haft entlassen.



