Carlos Moll
23. April 1945, ULAP-Gelände, Berlin-Moabit
Der aus Argentinien stammende Kaufmann Carlos Wilhelm Moll lebt lange in Reinbek bei Hamburg und arbeitet zuletzt in der argentinischen Gesandtschaft in Berlin.
Bereits 1943 von der Gestapo überwacht, wird er am 6. Juni 1944 im Berliner Hotel Adlon aus unbekannten Gründen festgenommen und in das „Hausgefängnis” in der Prinz-Albrecht-Straße 8 gebracht. Ein „Devisenvergehen” wird ebenso vermutet wie eine Vergeltungsaktion gegenüber Argentinien.
Seit dem 24. Juli 1944 ist Carlos Moll im Zellengefängnis inhaftiert. Er wird für Schreibarbeiten eingesetzt, was er auch zur Unterstützung anderer Häftlinge nutzen kann. Am 15. Februar 1945 erhält er die Kündigung seines Arbeitgebers, rückwirkend zum 31. Dezember 1944 und mit der Information, dass er noch bis zum 31. August 1944 Gehalt erhalten hat. Der Brief wird später von Eberhard Bethge an der Mordstelle gefunden.
Noch zwischen dem 13. und 16. April 1945 kann ihn eine Freundin mehrfach besuchen und ihm sogar einen Ausweis zustecken. Er ist zuversichtlich und rechnet mit seiner baldigen Entlassung.
In der Nacht auf den 23. April 1945 wird er bei der Mordaktion der Gestapo am ULAP-Gelände in der Nähe des Zellengefängnisses Lehrter Straße erschossen.
Besonders tragisch war am 22. oder 23. April 1945 der Mord im ULAP an Don Carlos Moll. ... Er durfte für uns 20. Juli-Leute ab Oktober, als wir wegen eines Bombenangriffs auf das Gefängnis Tegel wieder in die Lehrter Straße zurückverlegt wurden, die Zeitungen verteilen. ... Moll durfte sich innerhalb des Gefängnisses als sozusagen ‚Pressereferent‘ frei bewegen. ... Als ich nach Brandenburg verfrachtet wurde, verabredete ich mit Moll, er solle sofort bei seiner Freilassung nach Schlachtensee zu meiner Frau ziehen und dann das Abrollen der Ereignisse abwarten. Moll rechnete damals, Ende März, mit Freilassung in den nächsten Tagen.
Wilhelm Ernst Ulrich in einem Brief an Walter Hammer vom 4. Februar 1953
Quelle: Institut für Zeitgeschichte München, ED 106/46
Er bekleidete eine Kalfaktorenstellung und sah seine Hauptaufgabe darin, den Häftlingen, denen es gesundheitlich besonders schlecht ging, durch Lebensmittel verschiedenster Art – vornehmlich Brot – sowie durch Zigaretten den Gesundheitszustand zu verbessern. Wiederholt habe ich ihn gesehen, wie er in seiner Zelle auf seinem Spritkocher echten Tee bereitete und diesen abends seinen Freunden brachte. Er hatte von der Leitung des Gefängnisses offenbar auch die Erlaubnis, Zellentüren von anderen Häftlingen zu öffnen und diese kurz zu besuchen.
Eidesstattliche Aussage von Oscar Graf Pilati vom 17. Oktober 1946
Quelle: Bundesarchiv, B 162/3232, Bl. 21ff.




