Josef Mohr
3. März 1976, Neuwied-Irlich
Josef Mohr lebt mit seiner Frau Katharina und dem Sohn Martin in Irlich in der Nähe von Koblenz, wo er als Werkzeugmacher tätig ist. Seine Schwester Therese ist mit dem christlichen Gewerkschafter Jakob Kaiser verheiratet, dem es nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 gelingt, in Berlin unterzutauchen.
Die Gestapo sucht auch in Irlich nach Kaiser und nimmt dessen Ehefrau Therese und Tochter Elisabeth in „Sippenhaft”, inhaftiert sie im Stadtgefängnis Koblenz, wo die Eheleute Mohr sie mit Lebensmitteln versorgen. Nachdem das Gefängnis Anfang November 1944 bei einem Bombenangriff stark zerstört worden ist, kommen die beiden Frauen zunächst frei, werden jedoch am 27. November 1944 erneut festgenommen.
Auch Katharina und Josef Mohr werden nun in „Sippenhaft” genommen, nach Altwied gebracht und von der Gestapo verhört. Anfang Dezember 1944 wird die Familie nach Berlin überführt und Josef Mohr am 4. Dezember 1944 in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert. Am 1. März 1945 werden er und seine Frau in das KZ Buchenwald verschleppt.
Für die Familie beginnt zusammen mit anderen „Sippenhäftlingen” eine Odyssee durch verschiedene Konzentrationslager und Haftanstalten, die mit der Befreiung Ende April 1945 am Pragser Wildsee in Südtirol endet. Der Großteil der Häftlinge muss jedoch zunächst am Pragser Wildsee bleiben, wo das Ehepaar Mohr die Verpflegung der ehemaligen Mithäftlinge organisiert.
Im Mai 1945 werden sie von der US-Armee auf die Insel Capri gebracht und intensiv befragt. Ende Juni 1945 können Katharina und Josef Mohr nach Irlich zurückkehren.
Doch merke Dir noch eins, zum Lebenskampf gehört nicht nur ein kluger Kopf, sondern vor allem ein starkes Herz! Man muß seinem Schicksal nicht zürnen, auch wenn man eine Ungerechtigkeit ertragen muß. ... Es geht mir gut – ich brauche nicht zu arbeiten und Du weißt, dass Nichtstun Deinem Vater das Härteste ist.
Josef Mohr in einem Brief aus dem Zellengefängnis Lehrter Straße an seinen Sohn am 26. Dezember 1944
Quelle: Landeshauptarchiv Koblenz, Nachlass Mohr

