‹ zurück zur Übersicht

Hans Lukaschek

22. Mai 1885, Breslau (Wrocław)
26. Januar 1960, Freiburg

Hans Lukaschek tritt nach ein­em Studium der Rechts- und Staats­wissen­schaften sowie der Volks­wirt­schaft in den Kom­munal­dienst ein und wird 1919 Land­rat im ober­schle­sischen Rybnik. Er gehört der katho­lischen Zen­trums­partei an und wird 1929 zum Ober­präsi­denten der preu­ßischen Pro­vinz Ober­schle­sien und zum Re­gie­rungs­präsi­denten von Oppeln beru­fen. 

Im Mai 1933 muss er sein Amt nieder­legen. Er lässt sich in Bres­lau als Rechts­an­walt nieder, ver­tei­digt Gegner des Natio­nal­sozia­lis­mus und hilft jüdi­schen Freun­den. Seit 1938 steht er in enger Ver­bin­dung zu Hel­muth James Graf von Moltke und nimmt Pfings­ten 1942 an der ersten Haupt­tagung des Krei­sauer Krei­ses teil. Obwohl er sich nicht regel­mäßig an den Gesprä­chen der Krei­sauer Freunde betei­ligen kann, ist er über ihre Dis­kus­sionen und Pläne unter­richtet. Für den Fall eines er­folg­reichen Um­sturzes stellt er sich als poli­ti­scher Beauf­tragter im Wehr­kreis VIII (Bres­lau) zur Ver­fügung. 

Nach dem geschei­terten Atten­tat auf Hitler wird er noch am Abend des 20. Juli 1944 in Bres­lau fest­ge­nom­men, im Au­gust nach Berlin über­stellt und in die Gesta­po-Abtei­lung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 ein­gelie­fert. Von hier wird er in den Zellen­bau des KZ Ravens­brück über­stellt. Luka­schek wird während der Ver­höre durch die Gesta­po schwer miss­handelt.

Nach­dem er bereits am 19. Okto­ber 1944 in die Lehrter Straße zurück­ver­legt wor­den ist, findet am 19. April 1945 die Ver­hand­lung gegen ihn vor dem „Volks­ge­richts­hof” statt. Er wider­ruft sein unter Fol­ter ab­ge­leg­tes Ge­ständ­nis, wird frei­ge­spro­chen und am 22. April 1945 aus der Haft ent­lassen. 

Nach 1945 ist Luka­schek Mit­begrün­der der CDU in Berlin und Thü­rin­gen und hat von 1949 bis 1953 das Amt des Bundes­minis­ters für Ver­trie­bene inne.

Alle Menschen, die sie [Magdalena Lukaschek] und besonders ihren Mann ,in guten Tagen umlagerten', sind jetzt von ihr abge­rückt. Von Freunden – auch von Priestern und Ordens­leuten – erfuhr sie viel Bitteres, Demütigungen und Zurück­setzungen. Dadurch ist sie völlig irre geworden an den Menschen. … Bisher hat sie kaum einen Erfolg gehabt. Alles ist schief gegangen. Sogar ihre kleinen Pakete mit den Lebens­mitteln, die sie sich buch­stäblich abge­hungert hatte, hat die Gestapo in der Lehrter Straße nicht ange­nommen.

Bericht von Marianne Hapig über die Hilfsmaßnahmen von Magdalena Lukaschek für ihren Mann

Quelle: Elisabeth Prégardier (Hrsg.), Marianne Hapig – Tagebuch und Erinnerung, Annweiler 2007, S. 56.

[D]iese Frauen haben monate­lang vor den Türen des Gefäng­nisses gestanden und haben gewartet. Sie standen in Eis und Schnee mit den sich vom Munde abge­sparten Gaben, die ins Gefängnis herein­gelassen wurden. Sie ließen jede harte Behand­lung über sich bei diesem Warten ergehen und sie bangten vor dem Augen­blick, wo ihnen das Paket, das sie ihrem Ange­hörigen bringen wollten, zurück­gereicht wurde mit dem kurzen Wort, dass es zu spät sei, weil der Angehörige nicht mehr lebte, und dass sie gleich­zeitig die hinter­lassenen Gebrauchs­gegen­stände in Empfang nehmen konnten. Kann sich jemand heute noch aus­denken, welches Helden­tum die Frauen da bewiesen haben? Es ist manchmal größer gewesen als das Helden­tum der Menschen, die es in der Tat beweisen konnten.

Hans Lukaschek am 19. Juli 1953 in einer Gedenkrede anlässlich des 20. Juli 1944 über die Unterstützung der Häftlinge durch ihre Frauen

Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Portrait: Hans LukaschekHans Lukaschek, 1949