Hans Lukaschek
26. Januar 1960, Freiburg
Hans Lukaschek tritt nach einem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften sowie der Volkswirtschaft in den Kommunaldienst ein und wird 1919 Landrat im oberschlesischen Rybnik. Er gehört der katholischen Zentrumspartei an und wird 1929 zum Oberpräsidenten der preußischen Provinz Oberschlesien und zum Regierungspräsidenten von Oppeln berufen.
Im Mai 1933 muss er sein Amt niederlegen. Er lässt sich in Breslau als Rechtsanwalt nieder, verteidigt Gegner des Nationalsozialismus und hilft jüdischen Freunden. Seit 1938 steht er in enger Verbindung zu Helmuth James Graf von Moltke und nimmt Pfingsten 1942 an der ersten Haupttagung des Kreisauer Kreises teil. Obwohl er sich nicht regelmäßig an den Gesprächen der Kreisauer Freunde beteiligen kann, ist er über ihre Diskussionen und Pläne unterrichtet. Für den Fall eines erfolgreichen Umsturzes stellt er sich als politischer Beauftragter im Wehrkreis VIII (Breslau) zur Verfügung.
Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wird er noch am Abend des 20. Juli 1944 in Breslau festgenommen, im August nach Berlin überstellt und in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert. Von hier wird er in den Zellenbau des KZ Ravensbrück überstellt. Lukaschek wird während der Verhöre durch die Gestapo schwer misshandelt.
Nachdem er bereits am 19. Oktober 1944 in die Lehrter Straße zurückverlegt worden ist, findet am 19. April 1945 die Verhandlung gegen ihn vor dem „Volksgerichtshof” statt. Er widerruft sein unter Folter abgelegtes Geständnis, wird freigesprochen und am 22. April 1945 aus der Haft entlassen.
Nach 1945 ist Lukaschek Mitbegründer der CDU in Berlin und Thüringen und hat von 1949 bis 1953 das Amt des Bundesministers für Vertriebene inne.
Alle Menschen, die sie [Magdalena Lukaschek] und besonders ihren Mann ,in guten Tagen umlagerten', sind jetzt von ihr abgerückt. Von Freunden – auch von Priestern und Ordensleuten – erfuhr sie viel Bitteres, Demütigungen und Zurücksetzungen. Dadurch ist sie völlig irre geworden an den Menschen. … Bisher hat sie kaum einen Erfolg gehabt. Alles ist schief gegangen. Sogar ihre kleinen Pakete mit den Lebensmitteln, die sie sich buchstäblich abgehungert hatte, hat die Gestapo in der Lehrter Straße nicht angenommen.
Bericht von Marianne Hapig über die Hilfsmaßnahmen von Magdalena Lukaschek für ihren Mann
Quelle: Elisabeth Prégardier (Hrsg.), Marianne Hapig – Tagebuch und Erinnerung, Annweiler 2007, S. 56.
[D]iese Frauen haben monatelang vor den Türen des Gefängnisses gestanden und haben gewartet. Sie standen in Eis und Schnee mit den sich vom Munde abgesparten Gaben, die ins Gefängnis hereingelassen wurden. Sie ließen jede harte Behandlung über sich bei diesem Warten ergehen und sie bangten vor dem Augenblick, wo ihnen das Paket, das sie ihrem Angehörigen bringen wollten, zurückgereicht wurde mit dem kurzen Wort, dass es zu spät sei, weil der Angehörige nicht mehr lebte, und dass sie gleichzeitig die hinterlassenen Gebrauchsgegenstände in Empfang nehmen konnten. Kann sich jemand heute noch ausdenken, welches Heldentum die Frauen da bewiesen haben? Es ist manchmal größer gewesen als das Heldentum der Menschen, die es in der Tat beweisen konnten.
Hans Lukaschek am 19. Juli 1953 in einer Gedenkrede anlässlich des 20. Juli 1944 über die Unterstützung der Häftlinge durch ihre Frauen
Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand













