Georg Lindemann
12. November 2007, Celle
Georg Lindemann ist der zweite Sohn von Lina und Fritz Lindemann. Sein Vater gehört zum engsten Kreis des militärischen Widerstands und nach dem geplanten Umsturz als Regierungssprecher vorgesehen. Nach dem Scheitern des Attentats kann sich Fritz Lindemann mithilfe eines Kreises von Helferinnen und Helfern verborgen halten. Bei einem Festnahmeversuch am 3. September schießen die Gestapo-Beamten auf ihn, er stirbt am 22. September an den Folgen. Bereits am 28. Juli sind seine Ehefrau Lina und am 26. August auch seine Tochter Marie-Luise in „Sippenhaft” genommen worden.
Der Sohn Georg, der sich als Fähnrich zur See in der Offiziersausbildung befindet, wird am 25. August 1944 in Hamburg festgenommen. Er wird am nächsten Tag nach Berlin in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 gebracht und in der Prinz-Albrecht-Straße mehrfach verhört. Ihm wird vorgeworfen, von den Umsturzplanungen erfahren und diese nicht angezeigt zu haben. Ende September wird er in das Untersuchungsgefängnis in Berlin-Tegel verlegt, wo er auf seinen älteren Bruder Friedrich trifft, der ebenfalls seit August in Haft ist. Anfang November werden die Brüder in das „Hausgefängnis” der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße verlegt.
Am 14. November 1944 verurteilt der „Volksgerichtshof“ Georg Lindemann wegen „Nichtanzeige eines Hoch- und Landesverrats“ zu fünf Jahren Zuchthaus. Anschließend wird er in das Zuchthaus Brandenburg-Görden überstellt. Das Verfahren gegen seinen Bruder Friedrich wird abgetrennt, er wird am 22. Januar 1945 zu sieben Jahren Zuchthaus wegen „Wehrkraftzersetzung” verurteilt.
Georg Lindemann wird Ende April 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden befreit. Erst Ende Juni 1945 können auch seine Mutter und Schwester nach Hause zurückkehren.
Die Tage in der Zelle verliefen eintönig und wurden nur durch die Essens-Zuteilung und Kontrollen durch junge SS-Soldaten unterbrochen. Kein Spaziergang, keine Kontakte, keine Zeitungen, keine Verbindung zur Außenwelt. Nur bruchstückhafte Informationen von Kalfaktoren, nach denen die Amerikaner im Vormarsch auf die Westgrenze waren. Der Wettlauf mit der Zeit um unsere Köpfe hatte begonnen.
Erinnerungsbericht von Georg Lindemann an die Haft in der Lehrter Straße
Quelle: Bengt von zur Mühlen (Hrsg.), Sie gaben ihr Leben. Unbekannte Opfer des 20. Juli 1944. General Lindemann und seine Fluchthelfer, Berlin-Kleinmachnow 1995, S. 393ff.












