‹ zurück zur Übersicht

Georg Lindemann

9. Oktober 1924, Potsdam
12. November 2007, Celle

Georg Lindemann ist der zweite Sohn von Lina und Fritz Lindemann. Sein Vater gehört zum engsten Kreis des militä­rischen Wider­stands und nach dem geplanten Umsturz als Regie­rungs­sprecher vorge­sehen. Nach dem Scheitern des Attentats kann sich Fritz Lindemann mithilfe eines Kreises von Helferin­nen und Helfern ver­borgen halten. Bei einem Fest­nahme­versuch am 3. Sep­tember schießen die Gesta­po-Beamten auf ihn, er stirbt am 22. Sep­tember an den Folgen. Bereits am 28. Juli sind seine Ehefrau Lina und am 26. August auch seine Tochter Marie-Luise in „Sippen­haft” genommen worden. 

Der Sohn Georg, der sich als Fähn­rich zur See in der Offiziers­aus­bildung befindet, wird am 25. August 1944 in Hamburg festge­nommen. Er wird am nächsten Tag nach Berlin in das Zellen­gefängnis Lehrter Straße 3 gebracht und in der Prinz-Albrecht-Straße mehr­fach verhört. Ihm wird vorge­worfen, von den Umsturz­planungen erfahren und diese nicht ange­zeigt zu haben. Ende September wird er in das Unter­suchungs­gefäng­nis in Berlin-Tegel verlegt, wo er auf seinen älteren Bruder Friedrich trifft, der eben­falls seit August in Haft ist. Anfang November werden die Brüder in das „Haus­gefängnis” der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße verlegt. 

Am 14. November 1944 verurteilt der „Volks­gerichts­hof“ Georg Lindemann wegen „Nicht­an­zeige eines Hoch- und Landes­verrats“ zu fünf Jahren Zuchthaus. Anschließend wird er in das Zucht­haus Branden­burg-Görden überstellt. Das Verfahren gegen seinen Bruder Friedrich wird abge­trennt, er wird am 22. Januar 1945 zu sieben Jahren Zucht­haus wegen „Wehr­kraft­zer­setzung” verurteilt. 

Georg Lindemann wird Ende April 1945 im Zucht­haus Branden­burg-Görden befreit. Erst Ende Juni 1945 können auch seine Mutter und Schwester nach Hause zurück­kehren.

Die Tage in der Zelle verliefen eintönig und wurden nur durch die Essens-Zuteilung und Kontrollen durch junge SS-Soldaten unter­brochen. Kein Spazier­gang, keine Kontakte, keine Zeitungen, keine Verbin­dung zur Außenwelt. Nur bruch­stückhafte Informa­tionen von Kalfaktoren, nach denen die Amerikaner im Vormarsch auf die West­grenze waren. Der Wettlauf mit der Zeit um unsere Köpfe hatte begonnen.

Erinnerungsbericht von Georg Lindemann an die Haft in der Lehrter Straße

Quelle: Bengt von zur Mühlen (Hrsg.), Sie gaben ihr Leben. Unbekannte Opfer des 20. Juli 1944. General Lindemann und seine Fluchthelfer, Berlin-Kleinmachnow 1995, S. 393ff.

Portrait: Georg LindemannGeorg Lindemann, Juli 1941