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Johannes (Hanns) Lilje

20. August 1899, Hannover
6. Januar 1977, Hannover

Hanns Lilje besucht nach einem Studium der Theo­logie und Kunst­geschichte das Prediger­seminar in Loccum. Nach der Ordination über­nimmt er das Amt des Studen­ten­pfarrers an der Tech­nischen Hoch­schule in Hannover. 1927 wird er General­sekretär der Deutschen Christ­lichen Studenten­vereini­gung, 1932 Vize­präsident des Studenten­welt­bundes. 

1933 ist er gemeinsam mit Martin Niemöller maß­geblich an der Gründung der „Jung­reforma­torischen Bewegung” beteiligt, in der Gegner der national­sozialis­tischen Welt­anschau­ung und Kirchen­politik zusammen­finden. Bis 1936 ist er Heraus­geber der Zeit­schrift „Junge Kirche”, eines zentralen Publi­kations­organs der Bekennenden Kirche. 1935 beruft ihn das Lutherische Welt­konvent zu seinem General­sekretär, im folgenden Jahr wird er Geschäfts­führer des Berliner Sekretariats des Luther­rates. 

Hanns Lilje ist wieder­holt von Rede- und Schreib­verboten betroffen. Er hat als Seel­sorger Kontakt zu Ange­hörigen des Wider­stands wie Peter Graf Yorck von Wartenburg. Der flüchtige Carl Goederler sucht ihn am 29. Juli 1944 auf, was im August 1944 zur Fest­nahme Liljes führt. Er wird am 19. August in die Gesta­po-Abtei­lung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 ein­ge­liefert. Ende September wird er für kurze Zeit in das Gefängnis Tegel verlegt, am 7. Oktober jedoch erneut in die Lehrter Straße gebracht. 

Am 18. Januar 1945 wird Hanns Lilje zu vier Jahren Haft ver­urteilt und im April 1945 in das Gerichts­gefängnis Nürnberg über­stellt, wo er das Kriegs­ende erlebt. 1947 wird Lilje zum Landes­bischof von Hannover gewählt.

So geht die Zeit ihren schweren, ungewissen Gang. Die Abge­schlossen­heit ist voll­ständig. Außer den ganz wenigen dienst­lichen Bemer­kungen von und zu den Posten fällt kein Wort; wenn morgens, mittags und abends die Mahl­zeiten gebracht werden, steht alles was es für mich noch von der Welt gibt, an meiner Zellen­tür. Keine Uhr, nicht ein Fetzen Papier zum Schreiben oder lesen – nur die vier kahlen Zellen­wände, das ist alles. Man muß alle Mittel geistiger Selbst­behaup­tung mobilisieren, um nicht aus den Fugen zu geraten. Keine Nach­richt von draußen nach drinnen oder umgekehrt.

Hanns Lilje in einem Bericht über die ersten Haftwochen im Zellengefängnis

Quelle: Hanns Lilje, Im finstern Tal. Rückblicke auf eine Haft, Hannover 1999, S. 29.

Portrait: Johannes (Hanns) LiljeHanns Lilje, 1936