Johannes (Hanns) Lilje
6. Januar 1977, Hannover
Hanns Lilje besucht nach einem Studium der Theologie und Kunstgeschichte das Predigerseminar in Loccum. Nach der Ordination übernimmt er das Amt des Studentenpfarrers an der Technischen Hochschule in Hannover. 1927 wird er Generalsekretär der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung, 1932 Vizepräsident des Studentenweltbundes.
1933 ist er gemeinsam mit Martin Niemöller maßgeblich an der Gründung der „Jungreformatorischen Bewegung” beteiligt, in der Gegner der nationalsozialistischen Weltanschauung und Kirchenpolitik zusammenfinden. Bis 1936 ist er Herausgeber der Zeitschrift „Junge Kirche”, eines zentralen Publikationsorgans der Bekennenden Kirche. 1935 beruft ihn das Lutherische Weltkonvent zu seinem Generalsekretär, im folgenden Jahr wird er Geschäftsführer des Berliner Sekretariats des Lutherrates.
Hanns Lilje ist wiederholt von Rede- und Schreibverboten betroffen. Er hat als Seelsorger Kontakt zu Angehörigen des Widerstands wie Peter Graf Yorck von Wartenburg. Der flüchtige Carl Goederler sucht ihn am 29. Juli 1944 auf, was im August 1944 zur Festnahme Liljes führt. Er wird am 19. August in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert. Ende September wird er für kurze Zeit in das Gefängnis Tegel verlegt, am 7. Oktober jedoch erneut in die Lehrter Straße gebracht.
Am 18. Januar 1945 wird Hanns Lilje zu vier Jahren Haft verurteilt und im April 1945 in das Gerichtsgefängnis Nürnberg überstellt, wo er das Kriegsende erlebt. 1947 wird Lilje zum Landesbischof von Hannover gewählt.
So geht die Zeit ihren schweren, ungewissen Gang. Die Abgeschlossenheit ist vollständig. Außer den ganz wenigen dienstlichen Bemerkungen von und zu den Posten fällt kein Wort; wenn morgens, mittags und abends die Mahlzeiten gebracht werden, steht alles was es für mich noch von der Welt gibt, an meiner Zellentür. Keine Uhr, nicht ein Fetzen Papier zum Schreiben oder lesen – nur die vier kahlen Zellenwände, das ist alles. Man muß alle Mittel geistiger Selbstbehauptung mobilisieren, um nicht aus den Fugen zu geraten. Keine Nachricht von draußen nach drinnen oder umgekehrt.
Hanns Lilje in einem Bericht über die ersten Haftwochen im Zellengefängnis
Quelle: Hanns Lilje, Im finstern Tal. Rückblicke auf eine Haft, Hannover 1999, S. 29.


















