Franz Leuninger
1. März 1945, Berlin-Plötzensee
Franz Leuninger wird als drittes von neun Kindern einer katholischen Bauernfamilie geboren. Er erlernt das Maurerhandwerk und schließt sich dem christlichen Bauarbeiterverband an, dessen hauptamtlicher Lokalsekretär er 1922 in Aachen wird. 1927 wird er als Bezirksleiter für den schlesischen Raum nach Breslau berufen. Als Mitglied der Zentrumspartei zieht er 1930 ins Breslauer Stadtparlament ein und kandidiert im März 1933 für den Reichstag.
Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften wird Leuninger Geschäftsführer der gemeinnützigen Breslauer Siedlungsgesellschaft „Deutsches Heim”, unterstützt Verfolgte und Gegner des NS-Regimes und hält Verbindungen zu politisch Gleichgesinnten aufrecht. Zutiefst vom verbrecherischen Charakter des Nationalsozialismus überzeugt, arbeitet er eng mit Fritz Voigt und Oswald Wiersich zusammen und steht seit 1942 in Verbindung mit Jakob Kaiser, den er mehrfach in Berlin trifft. Er hat zudem Kontakt zu den Widerstandskreisen um Carl Goerdeler und Ludwig Beck und wird von den Verschwörern für ein führendes Amt in einer neuen Regierung in Breslau gewonnen.
Nach dem Scheitern des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 wird er am 26. September in Breslau festgenommen und nach Berlin gebracht. Er wird zunächst im Zellenbau des KZ Ravensbrück inhaftiert und am 19. Oktober 1944 in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 überstellt. Am 26. Februar 1945 wird er vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt, am 1. März nach Plötzensee überstellt und dort noch am selben Tag ermordet.
Zwei Tage darauf wurde er tatsächlich zum Tode verurteilt. Nochmals gelang es, ihm zwei heilige Kommunionen zukommen zu lassen. In der gleichen Woche, an einem Herz-Jesu-Freitag, brachte man ihn zur Hinrichtung. Und nun war er völlig gefasst, ruhig, stark; er zeigte keine Todesangst mehr. Seine letzten Worte waren: ‚Herr, sorge für meine Familie! Ich opfere mein Leben auf für die Freiheit der katholischen Kirche.‘
Erinnerungsbericht von Pater Augustin Rösch, dem es gelang, seinen Mithäftling Franz Leuninger in der Lehrter Straße seelsorgerisch zu betreuen
Quelle: Augustin Rösch, Kampf gegen den Nationalsozialismus, Frankfurt am Main 1985, S. 437.






