Heinrich Leistikow
8. März 1994, Bad Harzburg
Heinrich Leistikow wächst in Berlin-Neukölln in einer Arbeiterfamilie auf und absolviert eine Lehre als Schriftsetzer. Er engagiert sich früh in der Arbeiterbewegung und im Buchdruckerverband, tritt 1926 in die KPD ein, in der er ab 1927 ehrenamtlich aktiv ist, und gehört dem Arbeiter-Turn- und Sportbund an.
Der bekannte Sportler und Gewerkschafter wird am 21. März 1933 festgenommen und vier Wochen im Polizeipräsidium am Alexanderplatz festgehalten. Im April 1934 wird Heinrich Leistikow nach einer Denunziation und dem Vorwurf der Herstellung verbotener Druckschriften erneut festgenommen, mangels Beweisen jedoch nach vier Wochen aus der Haft entlassen. Er hält weiter Kontakt, unterstützt Verfolgte und leistet Fluchthilfe.
1941 wird er zur Arbeit als Dreher im AEG-Werk in der Drontheimer Straße in Berlin-Wedding dienstverpflichtet und gehört bald der betrieblichen Widerstandsgruppe um Richard Weller an. Diese steht in Verbindung mit der Gruppe um Anton Saefkow. Anfang Januar 1943 wird er zur Wehrmacht eingezogen und nach einer Ausbildung zum Kanonier in Eberswalde wieder zur AEG verpflichtet.
Am 1. März 1945 wird Heinrich Leistikow festgenommen und in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert. Der Todesstrafe durch das Kammergericht entgeht er nur, weil sein Verfahren abgetrennt und er als Wehrmachtsangehöriger vor ein Militärgericht kommen soll. Am 22. April 1945 wird er aus dem Gefängnis entlassen.
1945 schließt er sich wieder der KPD an und wird 1946 Mitglied der SED. Er arbeitet im Bezirksamt Mitte und später in Zossen. Er stirbt 1994 in Bad Harzburg.
Seit dem 21.3., als die Bombardierungen immer schlimmer wurden, gestattete man uns, die Kellerräume aufzusuchen. Hier hatte man beschränkte Gelegenheit, sich zu unterhalten. Der Generalstaatsanwalt Jachmann, der das Urteil fällte, erklärte in seiner Rede, sie ... werden all[e] und jeden beseitigen, aber nicht kampflos abtreten. Mancher Witz wurde noch darüber gemacht, es herrschte beinahe gute Stimmung angesichts des Todes und der nahenden Freiheit.
Heinrich Leistikow über seine Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße 3
Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 6218








