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Heinrich Leistikow

28. Oktober 1908, Berlin
8. März 1994, Bad Harzburg

Heinrich Leistikow wächst in Berlin-Neu­kölln in einer Arbeiter­familie auf und absol­viert eine Lehre als Schrift­setzer. Er enga­giert sich früh in der Arbeiter­bewe­gung und im Buch­drucker­verband, tritt 1926 in die KPD ein, in der er ab 1927 ehren­amtlich aktiv ist, und gehört dem Arbeiter-Turn- und Sport­bund an. 

Der bekannte Sportler und Gewerk­schafter wird am 21. März 1933 festge­nommen und vier Wochen im Polizei­präsidium am Alexander­platz festgehalten. Im April 1934 wird Heinrich Leistikow nach einer Denunziation und dem Vorwurf der Herstellung ver­botener Druck­schriften erneut festge­nommen, mangels Beweisen jedoch nach vier Wochen aus der Haft ent­las­sen. Er hält weiter Kontakt, unter­stützt Verfolgte und leistet Flucht­hilfe.  

1941 wird er zur Arbeit als Dreher im AEG-Werk in der Dront­heimer Straße in Berlin-Wed­ding dienst­verpflich­tet und gehört bald der betrieb­lichen Wider­stands­grup­pe um Richard Weller an. Diese steht in Verbindung mit der Gruppe um Anton Saefkow. Anfang Januar 1943 wird er zur Wehr­macht einge­zogen und nach einer Ausbildung zum Kanonier in Eberswalde wieder zur AEG verpflich­tet.    

Am 1. März 1945 wird Heinrich Leistikow fest­ge­nommen und in das Zellen­ge­fängnis Lehrter Straße 3 einge­lie­fert. Der Todes­strafe durch das Kammer­gericht entgeht er nur, weil sein Ver­fahren abge­trennt und er als Wehr­machts­ange­höriger vor ein Mili­tär­gericht kommen soll. Am 22. April 1945 wird er aus dem Gefängnis ent­lassen. 

1945 schließt er sich wieder der KPD an und wird 1946 Mit­glied der SED. Er arbeitet im Bezirks­amt Mitte und später in Zossen. Er stirbt 1994 in Bad Harzburg.  

Seit dem 21.3., als die Bombar­dierungen immer schlimmer wurden, gestattete man uns, die Keller­räume aufzu­suchen. Hier hatte man beschränkte Gelegen­heit, sich zu unterhalten. Der General­staats­anwalt Jachmann, der das Urteil fällte, erklärte in seiner Rede, sie ... werden all[e] und jeden beseitigen, aber nicht kampf­los abtreten. Mancher Witz wurde noch darüber gemacht, es herrschte beinahe gute Stimmung angesichts des Todes und der nahenden Frei­heit.

Heinrich Leistikow über seine Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße 3

Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 6218

Portrait: Heinrich LeistikowHeinrich Leistikow, um 1946