Richard von Kühlmann
6. Februar 1948, Ohlstadt (Oberbayern)
Der Jurist Richard von Kühlmann tritt 1899 in den diplomatischen Dienst ein, geht 1908 als Botschaftsrat nach London und wird 1916 Botschafter in Konstantinopel. Im August 1917 übernimmt er das Amt des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt und damit die Führung der deutschen Außenpolitik. Im Dezember 1917 ist er Verhandlungsführer der deutschen Delegation bei den Verhandlungen zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk, die den Krieg zwischen Deutschland und Sowjetrussland im März 1918 beenden. Er kann sich jedoch mit seinen politischen Vorstellungen, die sich gegen gewaltsame Annexionen richten und eine Verhandlungslösung favorisieren, nicht durchsetzen und tritt im Juli 1918 von seinem Amt zurück und zieht sich aus dem diplomatischen Dienst zurück.
Richard von Kühlmann wird nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 festgenommen. Die genauen Umstände und das Datum seiner Festnahme sind nicht bekannt. Vermutlich gerät er aufgrund von Kontakten zu Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Teegesellschaft bei Elisabeth von Thadden beziehungsweise der Gesprächskreise im Haus von Hanna Solf ins Visier der Gestapo. Laut dem Haftbuch der Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 wird er am 18. Oktober 1944 dort eingeliefert. Am 4. Februar 1945 wird Richard von Kühlmann aus der Haft entlassen.


