Ernst Kretzschmar
unbekannt
Ernst Kretzschmar wächst als Sohn eines Landwirts auf und studiert Rechtswissenschaften in Genf, Göttingen und Greifswald. Er nimmt am Ersten Weltkrieg teil, gerät in britische Gefangenschaft und schlägt nach seiner Rückkehr 1920 eine Verwaltungslaufbahn ein.
Ab 1932 ist er im Polizeipräsidium Berlin tätig und leitet als Regierungsdirektor das Verkehrsdezernat. Zu seinem engsten Mitarbeiterkreis gehört ab 1941 Oberregierungsrat Gerhard Wolf, der im Juli 1944 Carl Goerdeler bei seiner Flucht unterstützt.
Mitte September 1944 wird Ernst Kretzschmar in Berlin von der Gestapo festgenommen. Neben defätistischen Äußerungen wird ihm Kenntnis der Fluchthilfe vorgeworfen. Während eines Verhörs im Polizeipräsidium versucht er durch einen Sprung aus einem Toilettenfenster zu entkommen, verletzt sich dabei jedoch schwer und wird am 23. September in die Haftabteilung des Staatskrankenhauses der Polizei eingeliefert. Die dort tätigen dem Widerstand nahestehenden Ärzte Charlotte Pommer und Albrecht Tietze verschaffen ihm einen längeren Krankenhausaufenthalt.
Am 19. März 1945 wird Ernst Kretzschmar in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 verlegt, es kommt jedoch nicht mehr zu einer Verhandlung. Am 22. April 1945 wird Ernst Kretzschmar aus der Haft entlassen, kann das Gefängnis jedoch aufgrund der Kampfhandlungen erst am Morgen des 23. April gemeinsam mit Gerhard Wolf und Heinz Haushofer verlassen.
Ich wurde – bei meinen Vernehmungen insbesondere – in rohester Form behandelt und habe mir bei solcher Gelegenheit durch einen Fluchtversuch vor den Methoden der Gestapo einen Lendenwirbelbruch zugezogen, an dessen Folgen ich noch heute leide. ... Meiner demokratischen Weltanschauung war und blieb der Faschismus fremd und unverständlich, meine ganze Lebensauffassung lehnte sich gegen dessen Lehren und Methoden auf. ... Dass ich zudem den lange vorbereiteten Angriffskrieg von Anbeginn an als verbrecherisch verurteilt hatte, brachte mir die Anklage der Wehrkraftzersetzung und die des Pazifismus ein.
Ernst Kretzschmar über die Verhöre der Gestapo nach seiner Festnahme und die Vorwürfe gegen ihn, 28. Dezember 1945
Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 13977


