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Ernst Kretzschmar

27. April 1888, Sellin
unbekannt

Ernst Kretzschmar wächst als Sohn eines Land­wirts auf und studiert Rechts­wissen­schaften in Genf, Göttingen und Greifs­wald. Er nimmt am Ersten Welt­krieg teil, gerät in britische Gefangen­schaft und schlägt nach seiner Rück­kehr 1920 eine Verwal­tungs­laufbahn ein. 

Ab 1932 ist er im Polizei­präsi­dium Berlin tätig und leitet als Regie­rungs­direktor das Ver­kehrs­dezernat. Zu seinem engsten Mit­arbeiter­kreis gehört ab 1941 Ober­regierungs­rat Gerhard Wolf, der im Juli 1944 Carl Goerdeler bei seiner Flucht unter­stützt. 

Mitte September 1944 wird Ernst Kretzschmar in Berlin von der Gestapo fest­ge­nommen. Neben defä­tistischen Äußerungen wird ihm Kennt­nis der Flucht­hilfe vorge­worfen. Während eines Verhörs im Polizei­präsidium ver­sucht er durch einen Sprung aus einem Toiletten­fenster zu ent­kommen, verletzt sich dabei jedoch schwer und wird am 23. September in die Haft­abteilung des Staats­kranken­hauses der Polizei einge­liefert. Die dort tätigen dem Wider­stand nahe­stehenden Ärzte Charlotte Pommer und Albrecht Tietze verschaffen ihm einen längeren Kranken­haus­aufenthalt. 

Am 19. März 1945 wird Ernst Kretzschmar in die Gesta­po-Abtei­lung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 verlegt, es kommt jedoch nicht mehr zu einer Verhandlung. Am 22. April 1945 wird Ernst Kretzschmar aus der Haft ent­lassen, kann das Gefängnis jedoch auf­grund der Kampf­hand­lungen erst am Morgen des 23. April gemeinsam mit Gerhard Wolf und Heinz Haus­hofer verlassen.

Ich wurde – bei meinen Verneh­mungen insbeson­dere – in rohester Form behandelt und habe mir bei solcher Gelegen­heit durch einen Fluchtversuch vor den Methoden der Gestapo einen Lenden­wirbel­bruch zugezogen, an dessen Folgen ich noch heute leide. ... Meiner demokra­tischen Weltan­schauung war und blieb der Faschis­mus fremd und unver­ständlich, meine ganze Lebens­auf­fassung lehnte sich gegen dessen Lehren und Methoden auf. ... Dass ich zudem den lange vorbe­reiteten Angriffs­krieg von Anbeginn an als ver­breche­risch verurteilt hatte, brachte mir die Anklage der Wehr­kraft­zersetzung und die des Pazifismus ein.

Ernst Kretzschmar über die Verhöre der Gestapo nach seiner Festnahme und die Vorwürfe gegen ihn, 28. Dezember 1945

Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 13977

Portrait: Ernst KretzschmarErnst Kretzschmar, vor 1944