Heinrich Körner
26. April 1945, Berlin
Heinrich Körner stammt aus einer katholischen Arbeiterfamilie im Ruhrgebiet. Schon 1911 schließt er sich der christlichen Gewerkschaftsbewegung an. 1913 geht er als Freiwilliger zur Marine und ist im Ersten Weltkrieg sechs Jahre in japanischer Kriegsgefangenschaft. 1921 setzt er seine Tätigkeit für die katholischen Arbeitervereine fort und wird 1926 zum westdeutschen Geschäftsführer des Gesamtverbandes gewählt.
1933 wird Heinrich Körner für kurze Zeit inhaftiert. Auch nach der Zerschlagung der Gewerkschaftsverbände im Mai 1933 hält er Kontakt zu ehemaligen Weggefährten. Heinrich Körner gehört zum rheinischen Widerstandskreis um Jakob Kaiser und Bernhard Letterhaus und stellt mehrfach sein Haus für Besprechungen zur Verfügung.
Nach dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wird er am 1. September von der Gestapo festgenommen und nach seinen Kontakten zu Kaiser befragt, jedoch bald wieder freigelassen. Am 25. November wird Heinrich Körner in Bonn erneut festgenommen und nach Berlin zunächst in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 und dann am 6. Dezember für Vernehmungen in das KZ Ravensbrück überstellt, bis er am 15. Januar 1945 erneut ins Zellengefängnis verlegt wird.
Am 6. April 1945 verurteilt der „Volksgerichtshof” Heinrich Körner zu vier Jahren Zuchthaus. Er wird am 20. April der Justiz überstellt, am 23. April in das Strafgefängnis Plötzensee überführt und dort am 25. April von sowjetischen Truppen befreit. Unmittelbar nach der Befreiung wird Heinrich Körner auf dem Weg zum Dominikanerkloster in Moabit von MG-Feuer der SS tödlich getroffen.
Als die körperlichen und seelischen Quälereien der Gestapo vor Weihnachten und im Januar 1945 fast nicht mehr zu ertragen waren, hat er nichts von seiner Art aufgegeben. Er konnte Milderungen seiner Haft erlangen, wenn er zum Verräter an sich, seinen Freunden und seiner Sache wurde. Mit ganzer Kraft wies er das Verlangen seiner Henker ab, Dinge zu offenbaren, die Jakob Kaiser und mir zum Verhängnis werden sollten.
Therese Körner geb. Dierichsweiler über die Verhöre ihres Mannes in der Haft in einem Brief an Ricarda Huch, 1. September 1946
Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach, Huch, Ricarda/Widerstand, 93.29.64







